Sonntag • 23. Februar
Bericht
23. Januar 2020

Als Jesus zum Arier gemacht werden sollte

Antisemitismus, Rassismus, völkisches Denken: Das nationalsozialistische Gedankengut machte auch vor Christen nicht halt. 1939 gründeten elf evangelische Landeskirchen in Eisenach das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“, kurz „Entjudungsinstitut“. Eine Sonderausstellung im Eisenacher Lutherhaus zeigt, wie weit sie damit gingen. Ein Bericht von idea-Redakteurin Lydia Schubert

Bei Eisenach denken viele an die Wartburg, wo Reformator Martin Luther (1483–1546) einst das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Weniger bekannt ist, dass hier vier Jahrhunderte später erneut Theologen an den Formulierungen der Evangelien und Briefe arbeiteten. Es ist ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte: Konsequent wurden im „entjudeten“ Neuen Testament, „Die Botschaft Gottes“, Begriffe wie „Halleluja“, „Zebaoth“ oder Angaben zur jüdischen Abstammung Jesu gestrichen oder durch andere Worte ersetzt. Auch ein eigenes Gesangbuch, „Großer Gott, wir loben dich“, erschien, in dem gerade einmal 4,4 Prozent der Texte unverändert enthalten waren. Doch wozu das ...

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