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Braucht es christliche Sexbücher?
04. Dezember 2017

„Alltagslust“: Neues Buch von Veronika Schmidt

Veronika Schmidt Foto: idea/Archiv
Veronika Schmidt Foto: idea/Archiv

Wir müssen uns in einer sexualisierten Welt zurechtfinden. Dabei ist es aber wichtig, zu einer positiven Haltung zum Sex und einer gesunden Sexualität zu finden. Trägt das Buch „Alltagslust“ von Veronika Schmidt dazu bei?

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Beschreibungen wie „prüde“ oder „verdorben“ mögen für viele Christen übertrieben sein – zum Glück! Und doch sind sie treffender als uns lieb ist. Die Gesellschaft ist extrem „versexualisiert“, während sexuelle Lust in der Gemeinde oft als schlecht dargestellt wird. Selbst wenn sich diese Lust ausschliesslich auf den Ehepartner richtet. Während Sex in vielen Kirchen und Gemeinden ein Tabuthema ist und die strengen, ethischen Normen über den Häuptern derer Mitglieder schweben, leiden viel zu viele an ihrer Sexualität. Und zwar sowohl Singles wie Verheiratete.

Wieso ein weiterer christlicher Sex-Ratgeber?

Veronika Schmidt begegnete oft dem Einwand, dass es kein weiteres christliches Buch über Sex brauche. In ihrem Buch „Alltagslust“ greift sie diesen Punkt auf und schreibt: „Christliche Sex-Bücher sind meist reine Ehebücher und setzen sich nicht mit dem Thema Sex in der christlichen Lebenswelt auseinander.“ Ihre Büchern setzen genau in dieser Lücke an. Wer ein Buch über gute Kommunikation in der Ehe oder die Bedeutung sexueller Reinheit sucht, ist bei ihr falsch. Über diese Themen gibt es ja andere Bücher. Veronika Schmidt schreibt über Sex. Zwar eingebettet in andere Themen, die damit in Zusammenhang stehen, aber letztlich geht es um Sex.

Kein christliches Buch im engeren Sinn

Das Buch „Alltagslust“ ist kein christliches Buch im herkömmlichen Sinn. Ihre Ausführungen über Identität oder Selbstliebe erinnern an ein beliebiges Buch aus der Ecke humanistischer Psychologie. Die Tatsache, dass die Identität durch eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus revolutionär erneuert und gestärkt werden kann, scheint für Veronika Schmidt jedenfalls kaum erwähnenswert. Die vielen Seiten mit Anleitung für Sexpraktiken sind mit Sicherheit ein Produkt ihrer Ausbildung und Erfahrung als Sexologin. Ausführungen, welche für einige bereits anstössig wirken mögen, haben durchaus das Potential anderen in ihrem Sexualleben zu helfen.

Einblick in das Sexualleben von Christen

Das Lesen von Schmidts Schilderung ihrer Begegnungen mit Christen stimmt indes nachdenklich. Viele lustlose Menschen und Paare mit einer ablehnenden Haltung der Sexualität gegenüber suchen bei ihr Hilfe. In ihrer Gemeinde wagen sie nicht darüber zu sprechen. Es bleibt die Hoffnung, dass der grosse Teil der Christenheit etwas mehr Freiheit in ihrem Eheleben erfährt. Die Vermutung bleibt aber, dass viele Leidende eine Sexualberaterin gar nicht erst aufsuchen.

Können Paare über ihre Sexualität sprechen?

Veronika Schmidt begegnet vielen Paaren, die nicht über ihre Sexualität sprechen. Die Gründe hierfür mögen sehr unterschiedlich sein. Es handelt sich hierbei aber um einen zentral wichtigen Teil der Ehe, welcher zu viel Frust und Resignation führen kann. Das Gespräch darüber, was dem Partner guttut und was er vermisst, sollte auf jeden Fall stattfinden. Schmidt schreibt: „Von Sex-Eindrücken überflutet, aber trotzdem sexuell unbefriedigt – so ist unsere Zeit. Wir scheinen alles über Sex zu wissen, doch das wahre Tabu ist das Schweigen darüber in der Beziehung.“

Besteht Sexualaufklärung nur aus Verboten?

In der heutigen sexualisierten Zeit gibt es vieles, von dem sich Christen distanzieren. Für viele Gemeinden sind die moralischen Entgleisungen und ein entsprechendes Warnen sogar Hauptinhalt beim Thema Sex. Dadurch wird die Sexualität zu einer Sache degradiert, die hauptsächlich herausfordernd oder sogar schlecht ist. Wo aber bleibt ein konstruktiver Ton zu einem wunderbaren Geschenk, welches Gott den Menschen geschenkt hat? Veronika Schmidt stört sich sehr an dieser Schieflage und versucht Sex als etwas Schönes und Bereicherndes zu beschreiben. Sie schreibt, eine gesunde Sexualität zu vermitteln, sei Aufgabe nicht nur der Eltern, sondern auch der Gemeinde. Traurig, dass oft beide diese Verantwortung nicht wahrnehmen.

Das Buch „Alltagslust“ mag durchaus umstritten sein. Einigen verhilft es zu einer befreiten Sexualität, während sich andere an der Offenheit und Sexzentriertheit stören. Zwei der vielen Anregungen, welche das Buch beinhaltet, können uns aber alle zu guten Fragen führen:

  • Warum sprechen viele christliche Paare nicht über ihre Sexualität?
  • Haben wir eine positive Haltung Sex gegenüber oder beschreiben wir die schönste Nebensache der Welt als Herausforderung, Unreinheit oder sogar Sünde? Haben wir einen gesunden Umgang mit unserer Sexualität gefunden?

(Markus Richner-Mai/Livenet.ch)

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