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Marc Jost kritisiert Meisterfeier am Pfingstsonntag
03. Mai 2018

YB dribbelt das Feiertagsgesetz aus

EVP-Grossrat und SEA-Generalsekretär Marc Jost: Erstaunt und enttäuscht über den Entscheid. (Foto: idea-Archiv)
EVP-Grossrat und SEA-Generalsekretär Marc Jost: Erstaunt und enttäuscht über den Entscheid. (Foto: idea-Archiv)

Bern/Thun (idea) - König Fussball hat die Stadt Bern fest im Griff. Das Ruhetagsgesetz hat er schon mal ausgehebelt. YB darf seine Meisterfeier am Pfingstsonntag durchführen. Warum nicht am Pfingstmontag? Weil es YB so will. Mediensprecher Staudenmann: "So können die Spieler den Montag zur Regeneration nutzen." Wäre die Feier am Montag, dürfte es im Training am Dienstag an Konzentration mangeln.

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Zuerst Nein, dann plötzlich Ja

Gemäss dem kantonalen Feiertagsgesetz sind an hohen Feiertagen Anlässe verboten, welche "die Ruhe erheblich beeinträchtigen". Darunter fallen Sportveranstaltungen und grosse, nicht religiöse Veranstaltungen. Folgerichtig lehnte Regierungsrat Hans-Jürg Käser die YB-Anfrage zuerst ab. Der Entscheid sei endgültig, liess Käser verlauten, eine Ausnahmebewilligung "nach juristischer Prüfung nicht möglich". Doch "konstruktive Gespräche" haben alles gerichtet. Über Nacht drehte der Wind und die Meisterfeier findet nun doch am Pfingstsonntag statt.

Ermessensspielraum mehr als ausgenutzt

Wie wird der Meinungsumschwung begründet? Als einzige Ausnahme ist im Gesetz die Durchführung von "traditionsreichen" Anlässen vorgesehen. Und so heisst es jetzt: "Die Stadt Bern als zuständige Vollzugsbehörde des Feiertagsruhegesetzes hat die Meisterfeier des BSC YB als traditionsreichen Anlass eingestuft." Und weiter: "Dies mit Blick darauf, dass die Schweizer Fussballliga seit über einem Jahrhundert besteht und eine Meisterfeier traditionell jeweils am Ende der Meisterschaft in der jeweiligen Stadt gefeiert wird." Als ob YB-Meisterfeiern in Bern Tradition hätten.

Marc Jost: "Erstaunt und verärgert"

Einer der es wagt, den Kniefall vor dem in Bern zurzeit heiligen Fussball zu kritisieren, ist der Thuner EVP-Grossrat und SEA-Generalsekretär Marc Jost. Er sei "sehr erstaunt und verärgert" über das Verhalten der Behörden. Natürlich freue auch er sich sehr über den Erfolg des BSC YB. Was er bemängelt ist der Umgang mit dem Gesetz. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Politik und der staatlichen Institutionen. Jost hält die Begründung des Entscheids für fragwürdig. "Pfingsten hat seit 2000 Jahren Tradition - die YB-Meisterfeier leider nicht", sagt er. Auch Josts Parteikollege, Grossrat Ruedi Löffel, runzelt die Stirn. Seit bald 50 Jahren fiebere er mit YB und freue sich herzlich über den Titel, erklärte Löffel dem Bund. Als Politiker sei er aber erstaunt, dass ein bestehendes Gesetz so grosszügig interpretiert werde. Das könne Begehrlichkeiten und falsche Hoffnungen in Bezug auf andere Gesetze wecken.

Als wäre ein neues Zeitalter angebrochen

Der Stadt Bern als zuständiger Vollzugsbehörde komme bei der Auslegung des Gesetzes ein Ermessensspielraum zu, lässt diese mitteilen. Und die Polizei- und Militärdirektion als Aufsichtsbehörde hält die rechtliche Einschätzung der Stadt Bern für vertretbar. Der Blick kommentiert das Berner Gemauschel so: "Nun aber drücken der Kanton und die Stadt Bern ein Auge zu. YB darf am 20. Mai feiern - und am nächsten Tag den Rausch ausschlafen." Seit YB Schweizer Fussballmeister ist, denkt man in Bern nur noch schwarz-gelb. Als wäre ein neues Zeitalter angebrochen, wurden die Zeiger der Wankdorf-Matchuhr auf dem Quartierplatz neu gestellt, auf 88:27. Das ist der Zeitpunkt, in dem Jean-Pierre Nsame das Meistertor gegen Luzern erzielt hat.

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