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Kein Boykott gegen ganz Israel
17. Februar 2021

Weltkirchenrat distanziert sich von BDS-Bewegung

Die BDS-Bewegung boykottiert Produkte aus Israel. Foto: pixabay.com
Die BDS-Bewegung boykottiert Produkte aus Israel. Foto: pixabay.com

Genf (IDEA) – Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat sich von der internationalen Organisation BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) distanziert. BDS setzt sich seit 2005 dafür ein, den internationalen Einfluss Israels einzudämmen und auch Waren aus Israel zu boykottieren. Der ÖRK habe „noch nie zu einem Wirtschaftsboykott des Staates Israel aufgerufen“, erklärte der Interims-Generalsekretär des Weltkirchenrats, Prof. Ioan Sauca, in einer Pressemitteilung.

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Anlass für die Erklärung war ein Bericht der jüdischen US-Wochenzeitung „Algemeiner“. Darin hatte sie den Weltkirchenrat als Unterstützer der BDS-Bewegung bezeichnet. Grund für den Bericht waren Aussagen des Vorsitzenden der ÖRK-Kommission für Internationale Angelegenheiten, des südafrikanischen Pastors Frank Chikane. Er hatte bei einer Videokonferenz israelkritischer christlicher Gruppen den Umgang Israels mit der Bevölkerung in den Palästinensergebieten scharf kritisiert. Chikane habe sich bei der Veranstaltung „als Privatperson geäußert und nicht als Vertreter des ÖRK“, so Sauca. Der Weltkirchenrat fordere keine wirtschaftspolitischen Maßnahmen gegen Israel. Er unterstütze allerdings den Boykott von Waren und Dienstleistungen aus jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten, da diese von der internationalen Gemeinschaft als illegal eingestuft würden.

Der deutsche Bundestag hat die internationale BDS-Gruppierung im Mai 2019 mit großer Mehrheit verurteilt und einen Antrag mit dem Titel „Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten. Antisemitismus bekämpfen“ verabschiedet. Die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung seien antisemitisch. Der Schweizer Bundesrat ging 2016 ebenfalls auf Distanz und schrieb: „Die Schweiz hat sich nie mit der sogenannten BDS-Bewegung assoziiert und finanziert oder unterstützt keine Kampagnen, die zu einem Boykott israelischer Produkte aufrufen.“

Im 1948 gegründeten Weltkirchenrat mit Sitz in Genf sind nach eigenen Angaben 348 Kirchen zusammengeschlossen. Sie repräsentieren weltweit mehr als 500 Millionen Christen.