Montag • 25. Januar
Behauptung einer französischen Ministerin
12. Januar 2021

Jungfräulichkeitszeugnisse bei Evangelikalen?

Marlène Schiappa im Interview mit France3. Bild: Printscreen
Marlène Schiappa im Interview mit France3. Bild: Printscreen

Paris (idea/dg) - Die Rolle von Religionen in der Gesellschaft wird in Frankreich heiss diskutiert. Die Regierung will mit einem neuen Gesetz zum Respekt der republikanischen Prinzipien diese Rolle deutlich einschränken. Regierungsmitglieder und hohe Beamte warfen in den letzten Jahren öfters Evangelikale und Islamisten in einen Topf. Neustes Beispiel, über welches das Nachrichtenportal evangeliques.info berichtet: Die Ministerin für Bürgerfragen Marlène Schiappa sprach am 10. Januar in öffentlichen Fernsehkanal France 3 von "sektiererischen Entgleisungen" und nennt als Beispiel "Jungfräulichkeitszertifikate": "Es gibt immer mehr Familien, die durch evangelistische Strömungen aus den USA beeinflusst sind und wie in den USA Jungfräulichkeitszertifikate verlangen." Sie bekräftigt anschliessend auf Twitter ihre Aussage nochmals.

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Thierry LeGall, Beauftragter des Nationalen Rats der Evangelikalen CNEF für pastoralen Dienst gegenüber Parlamentariern, zeigt sich auf Twitter besorgt über die Aussage. Seine Sorge teilen zahlreiche andere Christen. Der Soziologe Sébastien Fath sieht in der Aussage der Ministerin diejenigen Stimmen bestätigt, die sagen, mit dem Denunzieren der Evangelikalen ermöglichten sich Politiker, nicht vom politischen Islam sprechen zu müssen. Die Jungfräulichkeit würde in allen monotheistischen Religionen wertgeschätzt, so Sébastien Fath weiter. Die Evangelikalen würden aber keine Jungfräulichkeitszertifikate verlangen.

Der CNEF, der in Frankreich auch verantwortlich ist für die Allianzgebetswoche, thematisiert das Gesetzesprojekt in seinem Heft für die diesjährige Gebetswoche auch als Gebetsanliegen. Das Gesetz wurde von der Regierung als Reaktion auf islamistische Anschläge erarbeitet und kommt voraussichtlich im Februar vors Parlament. Der CNEF ist sich des Bedarfs des Kampfes gegen den politischen Islam und seine mörderischen Entgleisungen bewusst, macht aber Vorschläge, wie das Gesetz mit mehr Augenmass auch die Verhältnisse unter anderem von Kirchen berücksichtigt.