Mittwoch • 24. Februar
Landammann Alfred Stricker
16. Februar 2021

Im Kantonsrat wird zuerst gebetet

Landammann Alfred Stricker:
Landammann Alfred Stricker: "Von Glauben und Vertrauen geprägt." Foto: Andrea Vonlanthen

Herisau (IDEA) - Wie stark ist der Kanton Appenzell Ausserrhoden vom Corona-Virus betroffen? "Wir liegen im Durchschnitt aller Kantone", sagt Landammann (Regierungspräsident) Alfred Stricker (61) im Interview im Magazin IDEA. Und er meint: "Die grössten Probleme ergeben sich weniger durch die Pandemie als durch die Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben. Sie werden nachhaltige Schäden verursachen." Die Kantonsregierung lebe in einem Spannungsfeld "zwischen föderalistischer Selbständigkeit und dem Diktat des Bundesrates". Als Landammann versuche er Ausgleich zu schaffen und Ängste und Nervosität abzubauen.

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Appenzeller Humor im taktischen Einsatz

Inmitten der Pandemie versuche er, den Humor nicht zu verlieren, verrät Stricker. Seine religiöse Haltung gebe ihm "einen starken Boden". Er habe keine Angst und in kritischen Situationen mache er auch einmal einen Spruch. "Da bin ich ganz Appenzeller mit einem Hang zur Selbstironie." In Sitzungen setze er manchmal den Humor taktisch ein, "wenn man sich in anspruchsvollen Diskussionen verbissen hat", sagt Stricker. Dann könne Humor wirken wie ein Timeout.

Die Rolle der Kirche in der Krise

Auf die Frage, welche Rolle die Appenzeller Kirche in der aktuellen Krise spiele, sagte Alfred Stricker, man spüre die Kirche unterschiedlich stark. "Beim ersten Lockdown waren die einzelnen Kirchgemeinden durchaus aktiv im Mahlzeitendienst und auch in der persönlichen Unterstützung. Unsere Pfarrerin in Stein zum Beispiel war enorm aktiv in der Einzelseelsorge und in der Gestaltung von coronakonformen Gottesdiensten." Die Kirche soll die Seelsorge für die Menschen wahrnehmen, sagt Stricker im IDEA-Interview.

Ratsitzungen beginnen mit einem Gebet

Eine Besonderheit des Appenzeller Ausserrhoder Kantonsrats ist, dass seine Sitzungen immer mit einem Gebet beginnen. Landammann Stricker erzählt: "Es herrscht immer Unruhe vor den Parlamentssitzungen, das ist normal. Nach der Begrüssung durch das Präsidium stehen alle auf zum Gebet. Man sammelt sich. Es gibt eine Einigkeit. Es herrscht Ruhe." Das Verlesen des Gebets und das Unservater schaffe eine andere Atmosphäre.

Krise führt Menschen "an wesentliche Punkte"

"Ich habe gerade in der Corona-Zeit den Eindruck, dass der Mensch wieder an einige wesentliche Punkte des Lebens zurückgeführt wird. Ich spüre das. Ich führe zurzeit viel mehr Diskussionen über Religion und Glaube als früher. Die Leute werden nachdenklicher", so beschreibt Stricker sein Empfinden. Er werde häufig gefragt, warum er so zuversichtlich sein könne. Dann antworte er, sein Leben sei von Glauben und Vertrauen geprägt. Von einem Glauben, den er in der Familie und in der Sonntagschule schon früh mitbekommen hat. Irgendwann habe er gemerkt, "dass es nicht einfach um Religion geht, sondern darum, dass ich einen Boden habe und Gott und dem Leben vertraue".

Das ausführliche Interview mit vielen weiteren Themen finden Sie im Wochenmagazin IDEA 7-2021.