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Pro und Kontra
01. Mai 2018

Ein Kreuz für jede staatliche Behörde?

v.l.: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober und der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß. Fotos: picture-alliance/Kay Nietfeld/dpa/Privat
v.l.: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober und der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß. Fotos: picture-alliance/Kay Nietfeld/dpa/Privat

Wetzlar (idea) – Die Entscheidung der bayerischen Landesregierung, in allen staatlichen Behörden des Freistaats ab 1. Juni ein Kreuz aufzuhängen, wird kontrovers diskutiert. Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), kritisierte, dass dadurch Spaltung, Unruhe und Gegeneinander entstanden sei. Die Deutsche Evangelische Allianz begrüßte, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sich den christlich-jüdischen Wurzeln der Gesellschaft verpflichtet wisse. Eine Instrumentalisierung des Kreuzes für politische und wahltaktische Ziele können man in der Initiative nicht erkennen. Die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) nahm die Debatte zum Anlass, um zwei Bundestagsabgeordnete in einem Pro und Kontra zu fragen: Sollte auch in allen anderen Bundesländern jede staatliche Einrichtung ein Kreuz aufhängen?

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Pro: Unser Staat fußt auch auf Golgatha

Für ein Kreuz in allen staatlichen Behörden spricht sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß (Schwarzenberg/Erzgebirge) aus. Das Kreuz sei ein religiöses Symbol, das für das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi stehe. Deswegen müsse es aber in einem religiös neutralen Staat nicht vor der Tür bleiben: „Unser Staat mit seiner abendländischen Tradition fußt auch auf Golgatha. Durch den gekreuzigten Christus kann jedermann das Geschenk der Vergebung der Sünden annehmen.“ Das Kreuz stehe außerdem für eine Gesellschaft, in der Nächstenliebe gelebt werde: „Das Kreuz grenzt dabei nicht aus, sondern schließt alle ein.“ Es sei aus falsch verstandener Toleranz in der jüngeren Vergangenheit allzu oft versteckt worden – als etwa der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), und Kardinal Marx im Oktober 2016 bei einem Besuch auf dem Tempelberg in Jerusalem ihre Kreuze ablegten: „Bayern steht mit der Kreuz-Entscheidung selbstbewusst zu den eigenen Werten und Traditionen.“ Krauß war von 2004 bis 2017 sächsischer Landtagsabgeordneter. Davor war der engagierte evangelische Christ bei der Stadtmission Zwickau beschäftigt.

Kontra: Das Kreuz wird parteipolitisch instrumentalisiert

Anderer Ansicht ist der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober (Reutlingen). Durch die staatliche Aneignung des Kreuzes werde das Symbol für staatliche und parteipolitische Zwecke instrumentalisiert. Ferner werde es dadurch auch politisch und staatlich interpretiert: „Das ist schon aus formalen Gründen abzulehnen.“ Zudem habe Söder das Kreuz inhaltlich auf ein „Symbol kultureller Identität“ reduziert. Dadurch werde etwas entwertet, was Anderen heilig sei: „Das ist grob verletzend, übergriffig und verlangt nach einer Entschuldigung.“ Zudem verpflichte gerade der christliche Glaube den Staat auf eine religiös-weltanschauliche Haltung. Er solle eine Ordnung für Christen wie Nichtchristen sein, betont Kober. „Daher: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Belasst aber Gott, was Gottes ist.“ Kober ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und war als Militärseelsorger unter anderem im Auslandseinsatz in Mali tätig.

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