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FDP-Chef Lindner
28. April 2018

Der Streit um das Kreuz verschärft sich

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner wirft Söder eine Verweltlichung des christlichen Symbols vor. Foto: picture-alliance/Bernd Thissen/dpa
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner wirft Söder eine Verweltlichung des christlichen Symbols vor. Foto: picture-alliance/Bernd Thissen/dpa

München (idea) – Der Ton im Streit um das Kreuz wird schärfer. Anlass ist der Beschluss des bayerischen Kabinetts, dass in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingangsbereich ein Kreuz angebracht werden soll. Die Initiative dazu geht von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus, einem bekennenden evangelischen Christen. Für ihn sei das Kreuz „in erster Linie ein religiöses Symbol“, es gehöre „aber auch zu den Grundfesten des Staates“, sagte er in der ARD. Es habe eine „identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft“. Das Vorhaben löste eine Welle der Kritik aus, insbesondere in liberalen und linksorientierten Kreisen, aber auch in Teilen der Kirchen. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner wirft Söder eine Verweltlichung des christlichen Symbols vor. Er habe „das Kreuz zu einem Symbol unserer Kultur unseres Staates erklärt, damit profanisiert und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt“, sagte Lindner im Interview mit der Passauer Neuen Presse (Ausgabe 28. April). Gläubige Christen müsse es empören, „dass er aus ihrem Symbol ein Symbol des Staates macht“. Säkulare, liberale Bürger, die an Toleranz interessiert seien und Religion für ein persönliches Bekenntnis, aber nicht für eine Sache der Politik hielten, „dürften entsetzt sein über dieses Manöver im Vorwahlkampf zur Bayern-Wahl“, so Lindner. Zur Äußerung des CSU-Generalsekretärs Markus Blume, der Kritiker der Kreuz-Initiative als Religionsfeinde bezeichnet hatte, sagte Lindner: „Feinde der Religion sind nicht die Kritiker von Herrn Söder, Feind der Religion ist Herr Söder selbst.“

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Göring-Eckardt: Söder missbraucht das Kreuz

Scharfe Kritik an Söder übte auch die Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Sie war bis 2013 Präses der EKD-Synode. Der Augsburger Allgemeinen (Ausgabe 27. April) sagte Göring-Eckardt: „Das Kreuz ist das wichtigste christliche Zeichen. Dieses Symbol wird durch plumpes Wahlkampfgetöse von Markus Söder missbraucht.“ Ihm gehe es nicht um Geschichte, Tradition und Zugehörigkeit, sondern um Spaltung und Abgrenzung.

Das Forum Deutscher Katholiken dankt Söder für seinen Mut

Unterstützung erhält Söder dagegen vom konservativen „Forum Deutscher Katholiken“. Die Initiative der Bayerischen Regierung stehe im Einklang mit der Verfassung des Freistaates und deren Erziehungszielen, erklärte der Vorsitzende des Forums, Prof. Hubert Gindert (Kaufering). Nach seinen Worten ist das Kreuz Symbol unserer christlich geprägten Kultur. Es sei sichtbares Zeichen einer Religion, „die Gewaltlosigkeit einfordert, sogar Feindesliebe einschließt und Nächstenliebe fördert“. Das Kreuz bedrohe niemanden. Es schütze auch den Andersgläubigen und den Nichtglaubenden. Das Kreuz in staatlichen Gebäuden sei Ausdruck dieser Gesinnung. Das „Forum Deutscher Katholiken“ dankt dem Ministerpräsidenten für seinen Mut, daran zu erinnern.

Philosoph: Warum Söder recht hat

Zustimmung erhält der bayerische Ministerpräsident auch in einem am 28. April veröffentlichten Beitrag des Magazins „Cicero“ (Berlin) unter dem Titel „Warum Söder recht hat“. Darin schreibt der Philosoph und Kulturjournalist Alexander Grau, der „ebenso absehbare wie dümmliche Hohn und Spott, der Söder in den vergangenen Tagen aus dem Milieu der Modernen und Progressiven entgegenschlug“, gehe vollkommen an der Sache vorbei. In gewissem Sinne sei der Ministerpräsident „seinen Kritikern Jahrzehnte voraus“. Denn tatsächlich stünden religiöse Symbole heutzutage vor allem für kulturelle Identität und Geschichte. Diese Symbole – egal, ob Kleidungsstück, Fest, Ritual oder Zeichen – hätten aufgrund der Ausdifferenzierung moderner Gesellschaften ihre spezifische Bedeutung verloren. Sie stünden für die Kultur als Ganzes – vollkommen unabhängig wie religiös sie tatsächlich noch sei. Grau ist Autor des Buches „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ (Claudius Verlag München).

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