07. Januar 2021

US-Kongress

Methodistenpastor betet im Namen Brahmas und schliesst mit „A-men“ und „A-women“

Die Reaktion des Kongressabgeordnete Guy Lorin Reschenthaler auf Twitter. Screenshot: Twitter/ Rep. Guy Reschenthaler
Die Reaktion des Kongressabgeordnete Guy Lorin Reschenthaler auf Twitter. Screenshot: Twitter/ Rep. Guy Reschenthaler

Washington (idea) – Das Eröffnungsgebet eines Methodistenpastors bei der konstituierenden Sitzung des neuen US-Kongresses am 3. Januar hat in den sozialen Netzwerken Kritik und Spott ausgelöst. Der demokratische Abgeordnete Emanuel Cleaver (Kansas City/Bundesstaat Missouri) hatte das Gebet im Namen des „monotheistischen Gottes, Brahma und Gott, der unter vielen Namen in vielen verschiedenen Glaubensrichtungen bekannt ist“, gesprochen. Der 76-Jährige schloss mit den Worten „A-men“ und „A-women“ (A-Männer und A-Frauen).

Republikaner: Politische Korrektheit ist völlig aus den Fugen geraten

Das Video des Gebets wurde in Medien und sozialen Netzwerken veröffentlicht und von republikanischen Politikern scharf kritisiert. So twitterte der Kongressabgeordnete Guy Lorin Reschenthaler, „Amen“ sei Lateinisch für „so sei es“ und kein geschlechtsspezifisches Wort. „Leider sind Fakten für Progressive irrelevant. Unglaublich.“

Ähnlich äußerte sich sein Kollege Tim Burchett und fügte hinzu: „Das ist politische Korrektheit, die völlig aus den Fugen geraten ist.“ Der Abgeordnete Matt Gaetz scherzte: „Was ist mit den anderen 42 Geschlechtern??“ Seine Kollegin Bethany Mandel schrieb: „Dieselben Leute, die ‚A-Women‘ sagen, nennen uns ‚schwangere Menschen‘.“

Sie bezog sich dabei auf einen Reformvorschlag der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi (Demokraten), vom 1. Januar. Sie sprach sich dafür aus, im Kongress künftig Begriffe wie Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Onkel, Cousin oder Neffe durch geschlechtsneutrale wie Elternteil, Kind, Geschwister, Geschwister des Elternteils, Kind des Geschwisters zu ersetzen. Ihr Vorschlag hatte unter den Republikanern Entrüstung ausgelöst.

Der evangelikale Pastor Franklich Graham geht mit bedauernden Worten in einem Facebook-Kommentar davon aus, dass Emanuel Cleaver die Gebetszeit für ein politisches Statement nutzen wollte.

Cleaver erklärte gegenüber der Zeitung „The Kansas City Star“ (Online-Ausgabe), Kritiker hätten ihn fehlinterpretiert und missverstanden. Er habe die Rekordzahl an Frauen im neuen Kongress und die erstmalige Berufung einer Hauskaplanin würdigen wollen. Im Repräsentantenhaus und im Senat sitzen jetzt 144 Frauen (bisher 129). Cleaver: „Ich persönlich empfinde diese historischen Anlässe ale einen Segen Gottes, für den ich dankbar bin.“

Die Evangelisch-methodistische Kirche Schweiz äussert sich nicht zu Aussagen einzelner Pfarrer und Pfarrerinnen methodistischer Kirchen anderer Länder. Sie verzichtet deshalb auch ausdrücklich, das Gebet von Emanuel Cleaver zu kommentieren.