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Raubmord oder gezielte Tötung?
22. November 2019

Türkei: Koreanischer Evangelist ermordet

Einheimische Christen vermuten eine gezielte Tötung des 41-jährigen Jinwook Kim. Foto: pixabay.com
Einheimische Christen vermuten eine gezielte Tötung des 41-jährigen Jinwook Kim. Foto: pixabay.com

Diyarbakir (idea) – In der Türkei ist ein koreanischer Evangelist ermordet worden. Das berichtet das Hilfswerk International Christian Concern (ICC/Washington D.C.). Den Angaben zufolge hat ein Angreifer den 41-jährigen Jinwook Kim am 19. November in Diyarbakir im Südosten des Landes auf offener Straße niedergestochen.

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Das Opfer sei später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Ein 16-jähriger Verdächtiger, der drogenabhängig sein soll, wurde inhaftiert. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass er Kims Mobiltelefon rauben wollte. Die Ermittlungen dauern an.

Kim lebte seit fünf Jahren in der Türkei. Seit diesem Jahr wohnte er mit seiner Familie in Diyarbakir und war dort Seelsorger einer kleinen christlichen Gemeinschaft. Seine Frau erwartet in den kommenden Tagen ihr zweites Kind.

Es war der erste Mord an einem Christen in der Türkei seit Juni 2010. Damals war der Vorsitzende der (katholischen) Türkischen Bischofskonferenz, der Italiener Luigi Padovese, von seinem muslimischen Fahrer umgebracht worden.

Drei Jahre zuvor hatten muslimische Extremisten den deutschen Theologen Tilmann Geske sowie die einheimischen Christen Ugur Yüksel und Necati Aydin im osttürkischen Malatya ermordet. Die Täter hatten ihre Opfer gefesselt, gefoltert und ihnen die Kehlen durchgeschnitten.

Die Polizei nahm die damals 19- bzw. 20-jährigen Männer noch am Tatort fest. Sie gaben religiös-nationalistische Motive für die Bluttat an. Im Oktober 2016 verurteilte ein Gericht in Malatya die fünf Angeklagten zu jeweils dreimal lebenslanger Haft.

Gemeindeleiter: „Das ist das erste Martyrium seit Malatya“

Einheimische Christen vermuten eine gezielte Tötung des koreanischen Evangelisten. Das äußerte laut ICC etwa ein namentlich nicht genannter türkischer Evangelist, der laut eigenen Angaben am Tag nach der Tat eine Drohung erhalten hat: „Wir bekommen ständig Drohungen.“

Ein Gemeindeleiter, dessen Name ebenfalls nicht genannt wurde, äußerte gegenüber ICC: „Das ist das erste Martyrium seit Malatya.“ Die ICC-Regionalleiterin für den Mittleren Osten, Claire Evans, erklärte, die Tat habe unter türkischen Christen einen großen Schock, Trauer und Angst ausgelöst.

Gerade in diesem Jahr habe die Zahl der christenfeindlichen Vorfälle in der Türkei signifikant zugenommen. Die Zahl der Ausweisungen von ausländischen Pastoren und Evangelisten bzw. der Einreiseverbote ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

Laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seit 2017 etwa 70 Christen ausgewiesen. 99 Prozent der rund 82 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei 125.000. Die meisten der 3.000 bis 5.000 evangelischen Christen sind ehemalige Muslime.