Samstag • 18. November
Baptistische Gemeinde
06. November 2017

26 Gottesdienstbesucher erschossen

Die „First Baptist“-Kirche in Sutherland Springs war Ziel des Anschlags. Foto: picture-alliance/AP Photo
Die „First Baptist“-Kirche in Sutherland Springs war Ziel des Anschlags. Foto: picture-alliance/AP Photo

Sutherland Springs (idea) – Ein schwer bewaffneter Mann hat am 5. November während eines Gottesdienstes in einer Gemeinde der Südlichen Baptisten im US-Bundesstaat Texas das Feuer auf die Kirchgänger eröffnet und 26 Menschen getötet. Rund 20 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott (Austin). Ziel des Anschlags war die Erste Baptistengemeinde in der kleinen Ortschaft Sutherland Springs mit rund 600 Einwohnern, 50 Kilometer südöstlich der Großstadt San Antonio. Den Angaben zufolge sind die Opfer zwischen fünf und 72 Jahre alt. Unter den Toten ist auch die 14-jährige Tochter Annabelle des Gemeindepastors Frank Pomeroy und seiner Ehefrau Sherri. Die Eltern waren nicht im Gottesdienst. Für Pomeroy hatte der ehrenamtliche Gemeindemitarbeiter Bryan Holcombe die Predigt übernommen. Er wurde auf der Kanzel erschossen. Ebenfalls getötet wurde seine Ehefrau Karla, die in dem Bibelstudienprogramm „Sonntagsschule“ als Lehrerin tätig war.

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Ein Nachbar eröffnete auf den Täter das Feuer

Eine halbe Stunde nach Gottesdienstbeginn – gegen 11.30 Uhr (Ortszeit) – drang der Täter Devin Patrick Kelley (26) in die Kirche ein. Bereits davor gab der in einer schwarzen Kampfmontur gekleidete Mann, der eine schusssichere Weste trug, mit seinem Sturmgewehr einige Schüsse ab und feuerte anschließend wahllos auf die rund 50 Gottesdienstbesucher. Als er das Gemeindehaus wieder verließ, geriet er selbst unter Beschuss durch einen Nachbarn. Der Täter flüchtete mit dem Auto. Nach kurzer Zeit fuhr er in einen Straßengraben. Polizisten konnten nur noch seinen Tod feststellen. Ob der Nachbar ihn getroffen oder er sich selbst getötet hatte, ist noch unklar.

Hat der Täter Bibelunterricht gegeben – oder war er ein Christenhasser?

Kelley stammt aus dem rund 50 Kilometer nördlich gelegenen New Braunfels. Ob er zuvor Kontakt zu der Baptistengemeinde in Sutherland Springs hatte, wird noch ermittelt. Wie die Behörden mitteilten, hatte er 2013 Kindern in einem Sommerlager Bibelunterricht erteilt. Ehemalige Klassenkameraden beschreiben ihn dagegen als Atheisten und Christenhasser. Kelley war ein ehemaliger Soldat der US-Luftwaffe, der mit seiner Waffe auf Facebook geprahlt haben soll. Seine Seite wurde inzwischen gesperrt. 2012 war er von einem Militärgericht wegen Gewalt an seiner Ehefrau und dem gemeinsamen Kind zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. 2014 wurde er aus der Armee entlassen. Laut Behörden gibt es bisher keine Hinweise, dass er eine Verbindung zu organisierten Terrorgruppen hatte.

US-Präsident Trump: „Tat des Bösen“

US-Präsident Donald Trump sprach während seines Besuches in Tokio von einem „entsetzlichen Verbrechen“ und einer „Tat des Bösen“. Führende Republikaner wie Paul Ryan, der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, und der Senator von Florida, Marco Rubio, riefen zu „Gebeten für die Opfer und deren Familien“ auf.

Kardinal DiNardo krititisiert „sinnlose Schusswaffengewalt“

Der Vorsitzende der (katholischen) US-Bischofskonferenz, Daniel Kardinal DiNardo (Galveston/Texas), forderte, die USA müssten zur Einsicht kommen, dass es „ein fundamentales Problem gibt in unserer Gesellschaft“. Eine „Kultur des Lebens“ müsse „sinnlose Schusswaffengewalt in allen Formen verhindern“.

Südliche Baptisten: Bibelstudium wurde zur Horrorszene

Der Präsident der evangelischen Freikirche der Südlichen Baptisten in den USA, Steve Gaines (Cordova/Bundesstaat Tennessee), rief zum Gebet für die Opfer auf: „Möge Gott Hoffnung und Heilung in die Gemeinde und die Stadt bringen.“ Ähnlich äußerte sich auch der Präsident des Exekutivkomitees der Südlichen Baptisten, Frank S. Page (Taylors/Bundesstaat Süd Carolina): „Es ist traurig: Ein Morgen des Lobes Gottes und des Bibelstudiums hat sich in eine gewalttätige Horrorszene verwandelt und viele unschuldige Leben gekostet. Gott helfe uns, mit dem Bösen umzugehen.“ Die Südlichen Baptisten sind mit 15,2 Millionen Mitglieder in rund 47.000 Gemeinden die größte evangelische Kirche in den USA.

An einem Ort der Andacht aus dem Leben gerissen

Der Generalsekretär des deutschen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin), zeigte sich gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea „zutiefst erschüttert“. Die baptistischen Brüder und Schwestern seien „an einem Ort der Andacht aus dem Leben gerissen worden, an dem sie sich geborgen und sicher fühlten.“ Über Sutherland Springs sei „von einem Moment auf den nächsten unermessliches Leid hereingebrochen“. Fast alle hätten Angehörige oder Freunde verloren. Stiba: „Wir denken an die körperlich verletzten und seelisch traumatisierten Menschen. Wir beten um Gottes Trost für sie.“

Steinmeier: „Furchtbare Gewalttat“

Der Weltkirchenrat erklärte, die Hintergründe für den Mord müssten vollständig aufgeklärt werden. Der Generalsekretär Olav Fykse Tveit äußerte in Genf, dass immer öfter extremistische Rhetorik in extremistische Aktionen umschlage. Zudem seien Waffen in den USA leicht erhältlich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus. „Wir sind in Gedanken bei unseren amerikanischen Freunden“, erklärte er.

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