Samstag • 7. Dezember
„Christenverfolgung heute“
13. November 2019

Prof. Sauer: Wer bedrängte Christen vergisst, macht sich schuldig

Der Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer. Foto: idea/Daniela Städter
Der Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer. Foto: idea/Daniela Städter

Schwäbisch Gmünd (idea) – Mit dem Aufruf, für verfolgte Christen zu beten, ist der Kongress „Christenverfolgung heute“ am 13. November in Schwäbisch Gmünd zu Ende gegangen. Veranstalter waren das Christliche Gästezentrum Württemberg (Schönblick) und die Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit über 30 christlichen Hilfswerken und Menschenrechtsorganisationen. Rund 450 Interessierte nahmen daran teil.

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Im Abschlussgottesdienst sprach der Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer.

Das Gebet ist nicht der letzte Notnagel

Wie er sagte, haben auf dem Kongress viele bedrängten Christen aus aller Welt berichtet. Wer keine Beziehung zu Gott habe, könne nur an Menschen appellieren. Christen aber hätten die einzigartige Möglichkeit, alles vor Gott zu bringen. Das Gebet sollte dabei nicht der letzte Notnagel sein: „Wir sollten zuallererst und vor allem mit Gott über Verfolgung reden. Und dann können wir kräftig handeln. Durch solches Beten wird auch unsere Haltung und unser Handeln von Gott geprägt.“

Sauer rief dazu auf, mit dem Vaterunser für Verfolgte zu beten. Das setze Prioritäten: „Zuerst geht es um Gott und sein Reich, dann um uns.“ Unter anderem heiße es in dem Gebet: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Das bedeute, dass nicht der Wille der Diktatoren, der Machtbesessenen und Ausbeuter geschehen solle, sondern Gottes Wille. Über den Satz „Und vergib uns unsere Schuld“ sagte Sauer: „Wir machen uns schuldig, wenn wir die Christen vergessen, die für ihren Glauben unter Druck stehen.“ In der Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ gehe es um die schwerste Erprobung des Glaubens, die den Jüngern Jesu bevorstehe: „Die Enthüllung des Geheimnisses der Bosheit, das Offenbarwerden des Antichristus.“ Die endzeitliche Bedrohung heiße „Abfall vom Glauben“. Die gottgeschenkten Tugenden in diesem Strudel seien Geduld, Ausharren und Festhalten im Vertrauen zu Gott, so Sauer.

Heimowski: Lasst uns unsere Freiheiten nutzen!

Der Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz der Bundesregierung und des Bundestages, Uwe Heimowski (Berlin), rief zum Vertrauen auf Gott auf. Wenn er manchmal „den Duktus“ der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ höre – etwa, dass in elf Jahren die Welt untergehe, oder wenn Greta Thunberg sage, „Ihr habt mir meine Kindheit geklaut“ –, dann sei das nicht geistlich. Mit Gott gebe es immer Hoffnung.

Auf dem Kongress habe man viel von der Not verfolgter Christen gehört. Doch viele Christen, etwa aus der Türkei, hätten trotz dieser Bedrängung dazu aufgerufen, sich keine Sorgen um sie zu machen, sondern alles aus der Hand Gottes zu nehmen und für sie zu beten. Umso mehr sollten Christen im Rechtsstaat Deutschland hingebungsvoll und offen über ihren Glauben zu reden: „Wir haben alle Freiheit. Lasst uns sie nutzen!“

Kongressresolution: Konvertierte Flüchtlinge vor Abschiebungen schützen

Die Teilnehmer wandten sich in einer Resolution an Innenminister Horst Seehofer (CSU), Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) und die Bundestagsabgeordneten. Sie sollen darauf hinwirken, dass zum Christentum konvertierte Flüchtlinge nicht in Länder abgeschoben werden, in denen ihnen der Tod oder Verfolgung wegen eines öffentlich gelebten Glaubens droht.

Ferner sollten Entscheider des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und Mitarbeiter der Verwaltungsgerichte theologisch und wissenschaftlich im Bereich „Konversion von Muslimen“ geschult werden. Zudem sollten das BAMF und Verwaltungsgerichte im Asylverfahren von Konvertiten unabhängige externe wissenschaftliche und theologische Expertise zu den relevanten Sachfragen in Anspruch nehmen.

Der Kongress wurde erstmals 2009 mit zehn Kooperationspartnern und 250 Teilnehmern veranstaltet. Sein Ziel ist es, bedrängten Christen eine Stimme zu geben, die Netzwerke zwischen ihnen und den Christen in der „freien Welt“ auszubauen und Initiativen zum Handeln aufzuzeigen.

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