Dienstag • 2. Juni
Corona-Krise
25. März 2020

„Pro Familia“ und andere fordern Erleichterung der Abtreibung

Abtreibungsbefürworter sprechen sich in der Corona-Krise für Lockerungen beim Abtreibungsrecht aus. Foto: pixabay.com
Abtreibungsbefürworter sprechen sich in der Corona-Krise für Lockerungen beim Abtreibungsrecht aus. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – Im Zuge der Corona-Pandemie fordern in Deutschland mehrere Organisationen Lockerungen beim Abtreibungsrecht. Das stößt bei Lebensrechtlern auf scharfe Kritik. Im US-Bundesstaat Texas werden derzeit dagegen Abtreibungen verboten, in Großbritannien nahm die Regierung Erleichterungen bei Schwangerschaftsabbrüchen wieder zurück.

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Die deutschen Organisationen „Doctors for Choice“ (Choice, engl. für Wahl), „Pro Choice Deutschland“, „Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft“ und „Pro Familia“ haben in einem Offenen Brief an die Bundes- und Landesregierungen appelliert, die Hürden für Abtreibungen zu senken. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und die Auslastung der Krankenhäuser erschwerten es Frauen, innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit eine Abtreibung durchführen zu lassen, hieß es in dem Brief. Zudem rechnen die Unterzeichner als Folge der Corona-Ausgangsbeschränkungen mit einer Zunahme von ungewollten Schwangerschaften durch Vergewaltigungen. Dies zeigten Erfahrungen aus China.

Weiter werden die Bundes- und Landesregierungen aufgefordert, für Frauen vor einer Abtreibung Telefon- und Videoberatungen zu ermöglichen. Bislang ist das persönliche Gespräch üblich. Wenn das das nicht möglich sei, „müssen die Pflichtberatungen und die Wartefrist ausgesetzt werden“. Nach dem Gesetz müssen zwischen Beratung und Abtreibung mindestens drei Tage vergehen. Zudem sollten „Schwangerschaftsabbrüche als notwendige medizinischen Leistung“ anerkannt werden, so die Forderung. Solche übernimmt die Krankenkasse. Abtreibungen zählen nur dazu, wenn sie aufgrund einer Straftat oder sexueller Nötigung erfolgen.

„Pro Choice“ nennt sich die Bewegung, die für Abtreibung eintritt.

Linder: Frauen werden mit ihren wirklichen Problemen im Stich gelassen

Scharfe Kritik an dem Brief übt der Bundesverbands Lebensrecht (Berlin). Dessen Vorsitzende Alexandra Maria Linder (Weuspert/Sauerland) schreibt in einer Pressemitteilung: „Eine Pandemie auszunutzen, um seine Ideologie voranzutreiben, ist an Zynismus kaum zu überbieten.“ Durch den Verzicht auf eine echte Beratung würden Frauen mit ihren wirklichen Problemen im Stich gelassen und ihre physische und psychische Gesundheit aufs Spiel gesetzt.

Ebenso frauenfeindlich sei es darauf hinzuweisen, dass die häusliche Gewalt angesichts der Ausgangsbeschränkungen steigen werde und man als Lösung des Problems Abtreibungen erleichtern müsse. Linder: „Danach schickt man die Frauen wieder nach Hause in dieselbe Gewaltsituation, bis sie zur nächsten Abtreibung kommen.“ Sie hält es für unfassbar, dass niemand nachfrage, „warum diese Vereine den Frauen nicht wirklich helfen, nämlich ihre Lebenssituation verbessern wollen“.

ALfA: Eine Schwangerschaft ist niemals ein „Notfall“

Ähnlich äußert sich die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Cornelia Kaminski (Fulda). Die Forderungen der „Abtreibungslobby“ hält sie für „pervers“. Während Krankenhäuser bestrebt seien, in der Corona-Krise Menschenleben zu retten, sorgten sich Abtreibungslobbyisten darum, wie Abtreibungsärzte ihrem tödlichen Geschäft ohne finanzielle Einbußen weiter nachgehen könnten. Eine normal verlaufende Schwangerschaft sei niemals ein „Notfall“, selbst dann nicht, wenn die Eltern des Kindes sie nicht beabsichtigt hätten.

Die Forderung, Frauen müssten ihre Schwangerschaft auch allein zu Hause mittels Abtreibungspille beenden dürfen, zeige, dass es nicht um deren Gesundheit gehe. Kaminski: „Die Abtreibungspille wird als psychisch sehr belastend erlebt und kann neben Übelkeit und Schmerzen auch starke Blutungen sowie im schlimmsten Fall – wenn das ungeborene Kind nicht vollständig abgetrieben wird – schwere Infektionen verursachen.“ Aus gutem Grund lehnten daher Frauenärzte solche „Do-It-Yourself-Abtreibungen“ ab.

Abtreibungen in Texas verboten

Unterdessen hat der US-Bundesstaat Texas alle Kliniken und Gesundheitseinrichtungen angewiesen, bis zum 21. April alle medizinisch unnötigen Operationen zu verschieben. So solle sichergestellt werden, dass Corona-Patienten unverzüglich behandelt werden könnten. Die Anordnung gilt nach den Worten des Generalstaatsanwaltes Ken Paxton (Dallas) ausdrücklich auch für Abtreibungen. Davon ausgenommen seien nur solche Schwangerschaftsabbrüche, um das Leben der Mutter zu retten.

Großbritannien: Regierung nimmt Lockerung bei Abtreibungen zurück

Nur fünf Stunden nach ihrer Veröffentlichung am 23. März hob die britische Regierung neue Leitlinien zur Abtreibungsgesetzgebung wieder auf. Wie das Ministerium für Gesundheit und Soziales zunächst auf seiner Internetseite mitteilte, sollte die Neuregelung Frauen erlauben, in ihren eigenen vier Wänden und ohne vorher einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen, eine Abtreibung durch die Einnahme der dafür nötigen Pillen vorzunehmen. Ziel dieser Leitlinie sei es, „die Übertragung von Corona-Viren zu begrenzen“ und „frühzeitige medizinische Abtreibungsdienste sicherzustellen“.

Wie ein Sprecher des Ministeriums später erklärte, sind die Leitlinien „irrtümlich veröffentlicht“ worden. Er fügte hinzu: „Es wird keine Änderungen an den Abtreibungsbestimmungen geben“, berichtete der Fernsehsender BBC.

Der Präsident der Gesellschaft zum Schutz ungeborener Kinder, John Smeaton (London), begrüßte die Rücknahme der Leitlinien: „Gott sei Dank, dass solch ein gefährlicher Schritt – für ungeborene Kinder und ihre Mütter – nicht von der Regierung beschlossen wird.“