Samstag • 7. Dezember
Konferenz in Ungarn
02. Dezember 2019

Orbán: Europäische Politiker schweigen zur Christenverfolgung

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán bei der Konferenz zum Thema verfolgte Christen. Foto: picture-alliance/AP-Photo
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán bei der Konferenz zum Thema verfolgte Christen. Foto: picture-alliance/AP-Photo

Budapest (idea) – Bereits zum zweiten Mal nach 2017 hat die ungarische Regierung eine internationale Konferenz zum Thema verfolgte Christen veranstaltet. Über 600 Vertreter aus Politik, Religion und Gesellschaft aus 40 Nationen nahmen vom 26. bis 28. November in der ungarischen Hauptstadt Budapest daran teil.

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In seinem Grußwort kritisierte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán, dass viele europäische Politiker zur weltweiten Christenverfolgung schwiegen. Vier von fünf Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt würden, seien Christen – 2018 seien es über 245 Millionen gewesen.

Eine „rätselhafte Kraft“ verschließe den europäischen Politikern trotzdem den Mund. In Europa gebe es aber auch „Attacken“ auf die christliche Zivilisation. Konkret zählte er „Bevölkerungsaustausch, Einwanderung, Stigmatisierung, Verspottung“ sowie den „Maulkorb der politischen Korrektheit“ auf.

In Ungarn hingegen gebe es eine Mehrheit, die den Schutz der „christlichen Kultur“ fordere. Sie wolle deswegen Hilfe vor Ort leisten: „Ungarn liegt auf der Route der muslimischen Einwanderungsinvasion, es muss sich schützen, und das weiß hier in Ungarn ein jeder. Es ist der Ausgangspunkt der ungarischen Politik, dass wir Christen das Recht haben, unsere Kultur und die ihr entspringende Lebensform zu verteidigen.“

Ungarn unterstütze etwa über die Aktion „Ungarn hilft“ Christen im Irak und Syrien. Zudem ermögliche man verfolgten christlichen Jugendlichen aus dem Nahen Osten und aus Afrika, in Ungarn zu studieren. Orban ist Mitglied der reformierten Kirche. Seine Ehefrau und seine fünf Kindern gehören zur römisch-katholischen Kirche.

Erzbischof in Erbil: Ungarn und Polen haben sich richtig verhalten

Der Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, Moran Mor Ignatius Aphrem II. Karim, sagte laut der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in seiner Eröffnungsrede in Budapest, dass die Schreie von verfolgten Christen im Nahen Osten von vielen nicht gehört würden.

Nur wenige Verantwortungsträger hätten etwas unternommen, um der Bedrohung der Existenz des Christentums in seiner Ursprungsregion etwas entgegenzusetzen. Der chaldäisch-katholische Erzbischof im irakischen Erbil, Bashar Warda, äußerte die Hoffnung, dass mehr europäische Politiker auf die Christenverfolgung im Nahen Osten reagierten. Ungarn und Polen hätten sich richtig verhalten und diesen Fakt laut und deutlich benannt.

Der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Kardinal Louis Raphael I. Sako (Bagdad), erinnerte in einer auf der Konferenz gezeigten Videobotschaft daran, dass Christen in arabischen Ländern vielfach Intoleranz, Terrorismus und unkontrollierte Gewalt erlebten und deshalb den Irak verlassen hätten. Vor 2003 habe es im Irak etwa 1,9 Millionen Christen gegeben. Derzeit seien es weniger als eine halbe Million.

Unter den Teilnehmern der Konferenz waren auch Mitarbeiter deutscher Organisationen, etwa des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (München) und der ojcos-Stiftung. Der für die Stiftung tätige „Politische Fürsprecher für Religionsfreiheit im Irak“, David Müller (Reichelsheim/Odenwald), bezeichnete die Konferenz auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea als eine gute Möglichkeit, Akteure und Betroffene zu vernetzen.

So habe er viele Partner aus dem Irak getroffen. Sie begrüßten das Engagement für verfolgte Christen. Jeder investierte Euro sei zunächst einmal richtig, so Müller. Allerdings habe er grundsätzliche Anfragen an die exklusive Förderung von Christen durch die ungarische Regierung: „Um Frieden zu erreichen, muss das Ziel eine Gleichberechtigung aller Bürger sein – unabhängig von ihrem Glauben.“

Auch habe der Aspekt langfristiger Unterstützung durch politische Einflussnahme sowie die Situation der Konvertiten leider keine Rolle gespielt.