Donnerstag • 19. Oktober
Kurden-Referendum
27. September 2017

Patriarch Sako fürchtet um die Sicherheit der Christen

Beim Referendum der Kurden im Nordirak am 25. September stimmten viele für die Unabhängigkeit von Irakisch-Kurdistan. Foto: picture-alliance/Christophe Petit Tesson/MAXPPP/dpa
Beim Referendum der Kurden im Nordirak am 25. September stimmten viele für die Unabhängigkeit von Irakisch-Kurdistan. Foto: picture-alliance/Christophe Petit Tesson/MAXPPP/dpa

Salzburg (idea) – Der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako (Bagdad), fürchtet um die Sicherheit der christlichen Minderheit im Irak. Hintergrund ist das Referendum der Kurden im Nordirak, bei dem sie ersten Umfragen zufolge mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit von Irakisch-Kurdistan gestimmt haben. Das Referendum habe zwar keine bindende Kraft, gefährde aber die aktuelle Stabilität, warnte Sako am 26. September bei der Jahrestagung des Hilfswerks „Initiative Christlicher Orient“ (Linz) in Salzburg. Er habe sowohl die Zentralregierung in Bagdad als auch die Regierung in der autonomen Region Kurdistan zu einem „mutigen Dialog“ aufgerufen. Nach der Befreiung der christlichen nordirakischen Stadt Batnaya (bei Alkosch) aus der Unterdrückung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) Ende 2016 hätten die Christen hoffnungsfroh in die Zukunft geblickt. Jetzt seien sie verunsichert: „Wir haben Angst vor einem neuen Krieg, bei dem die Christen nur verlieren können.“ Eine so bedrohte Gruppe wie die christliche Minderheit könne sich selbst nicht beschützen. Oft werde er – Sako – von Christen im Nordirak gefragt, wie es weitergehen werde. Sie seien vom Krieg und der Vertreibung erschöpft. Er könne ihnen nur spirituell antworten: „Gott wird sich unser annehmen.“

ANZEIGE

Die Ideologie des „Islamischen Staates“ ist nicht zu besiegen

Der Patriarch wandte sich gegen die Forderung mancher Christen nach einem eigenen unabhängigen christlich geprägten Gebiet in der Ninive-Ebene im Norden des Landes. Das sei unrealistisch. Dort lebten weniger als 80.000 Christen, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Wichtig seien derzeit vor allem Stabilität und eine Versöhnung zwischen allen Gruppen im Irak. Hoffnung, dass die Gräueltaten der Terrororganisation „Islamischen Staat“ (IS) einmal vor ein internationales Strafgericht gebracht werden, habe er nicht. Es werde möglicherweise gelingen, den IS territorial vollständig zu besiegen, „aber ideologisch wird das nicht möglich sein“. Sako zufolge können Christen im Westen ihre Glaubensgeschwister unterstützen, etwa durch „beharrliches Gebet“. Der Patriarch ist Oberhaupt von weltweit mehr als 500.000 chaldäisch-katholischen Christen. Sie feiern die Liturgie auf Aramäisch, der Sprache Jesu.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.