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Menschenrechtler
14. Mai 2018

Indonesien: Islam radikalisiert sich immer mehr

Der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. Foto: GfbV
Der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. Foto: GfbV

Göttingen (idea) – Indonesien sollte sich klarer zu seinen religiösen Minderheiten bekennen und mehr gegen die zunehmende muslimische Radikalisierung tun. Das fordert der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius (Göttingen), nach den Bombenanschlägen auf drei Kirchen am 13. Mai. In Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya (Insel Java) wurden dabei mindestens 13 Menschen getötet und über 40 bei Bombenanschlägen verletzt. Ein Sprecher des indonesischen Geheimdienstes NIA machte die islamistische Gruppe „Jemaat Ansharud Daulah“ (JAD) verantwortlich. Sie ist ein Ableger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Indonesien müsse stärker betonen, „ein säkularer Staat zu sein, in dem alle Gläubigen ihre Religion ohne Anfeindung praktizieren können“, so Delius. Zwar gingen die Sicherheitskräfte gegen islamistische Gewalttäter vor, doch zugleich schreite die „Islamisierung des öffentlichen Lebens“ in dem früher für seine religiöse Toleranz bekannten Land fort. Der Spielraum religiöser Minderheiten nehme immer mehr ab. Es genüge daher nicht, nur den Schutz von christlichen Einrichtungen zu verstärken: „Indonesien braucht eine breite öffentliche Diskussion über die Rolle und die Rechte von Minderheiten, um eine weitere Verstärkung des Einflusses radikaler Muslime bei den 2019 anstehenden Parlamentswahlen zu verhindern.“

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Rheinischer Präses: Es darf keine Gewalt im Namen Gottes geben

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), teilte in einer Stellungnahme mit, er bete für die Menschen, die sich für das friedliche Zusammenleben in Indonesien einsetzten. Religionen leisteten einen maßgeblichen Beitrag dazu. „Gewalt im Namen Gottes können sie nicht dulden.“ Rekowski verweist in diesem Zusammenhang auf das „Münsteraner Manifest“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Darin werde davor gewarnt, Muslime und den Islam unter einen Generalverdacht zu stellen und die Mehrheit der friedlichen Muslime mit gewalttätigen Extremisten gleichzusetzen. Dazu Rekowski: „Mit den katholischen Schwestern und Brüdern sage ich: ,Gemeinsam mit der Mehrheit der Muslime sind wir überzeugt: Es darf keine Gewalt im Namen Gottes geben.‘“ Der Anschlag am 13. Mai war der schwerste auf Christen in Indonesien seit dem Jahr 2000. Damals starben an Heiligabend bei einer Bombenserie auf Kirchen in verschiedenen Städten 15 Personen, und fast 100 wurden verletzt. Indonesien ist das bevölkerungsreichste islamische Land der Welt. Von den rund 260 Millionen Einwohnern sind über 85 Prozent Muslime. Der Anteil der Christen liegt bei zehn Prozent.

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