Dienstag • 2. März
Menschenrechte
18. Januar 2021

Historiker: Christenverfolgung wird zu wenig beachtet

Die weltweite Verfolgung von Christen findet in der deutschen Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit. Symbolbild: ChinaAid
Die weltweite Verfolgung von Christen findet in der deutschen Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit. Symbolbild: ChinaAid

Berlin/Düsseldorf (idea) – Die weltweite Verfolgung von Christen findet in der deutschen Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit. Diese Ansicht vertrat der Historiker Julien Reitzenstein (Düsseldorf) in der „Welt am Sonntag“ (Ausgabe vom 17. Januar).

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„Nur wenn Christen während eines Gottesdienstes ermordet werden, wird Betroffenheit sichtbar“, schrieb der Geschichtswissenschaftler in einem Beitrag. Das sei etwa 2017 in Ägypten und Pakistan geschehen. Das Thema sei jedoch rasch wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden.

Ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich religiöse Verfolgung gewertet werde, sei die Menschenrechtslage in Myanmar. Es gebe weltweit große Solidarität und Unterstützung für die muslimischen Minderheit der Rohingya, die vom Militär verfolgt werden. Zur Wahrheit gehöre allerdings auch, dass die Rohingya nicht nur auf Menschenrechte und Religionsfreiheit pochten, sondern einige ihrer Vertreter auch mit Waffengewalt einen muslimischen Staat errichten wollten.

Kaum jemand interessiere sich dagegen dafür, dass in Myanmar Christen sowohl vom Militär als auch von Rohingya verfolgt werden. So würden Kirchen geschlossen und Pastoren verhaftet. Nach Berichten der US-Zeitung „Wall Street Journal“ seien 2018 innerhalb eines halben Jahres 130.000 Angehörige der Volksgruppe der Kachin vertrieben worden, die zu 90 Prozent Christen seien.

Christen kooperieren zu wenig gegen Christenverfolgung

Weiter schreibt Reitzenstein, Christenverfolgung finde wohl relativ wenig Aufmerksamkeit, weil Christen sich in viel geringerem Maße als eine weltweite Gemeinschaft verstünden als etwa Muslime. Wenn in Gottesdiensten in Deutschland die Christenverfolgung thematisiert werde, bekomme das nur der kleine Teil der Bevölkerung mit, der noch am Gemeindeleben teilnehme.

Zudem gebe es unter den Christen keine enge Kooperation mit dem Ziel, eine öffentliche Verurteilung von Christenverfolgung zu erreichen. Ein weiteres Problem sei die Polarisierung der Meinungen, die durch soziale Netzwerke verstärkt werde. Die meisten Christen würden weltweit von Muslimen verfolgt.

Hierzulande wollten viele Christen aber keine Kritik an Muslimen üben, weil sie „am rechten Rand pauschal als Bedrohung instrumentalisiert werden“. Am „linken Rand“ werde gleichzeitig „nicht so genau hingesehen“, wenn es um die Verletzung der Menschenrechte von Christen gehe. Durch diese Effekte führe die Polarisierung dazu, „dass sie in letzter Konsequenz Menschenleben kostet“.