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Berlin
06. Februar 2018

Situation für konvertierte ausländische Christen verschärft sich

Pfarrer Gottfried Martens hat über 1.000 Flüchtlinge getauft, vor allem Iraner und Afghanen. Foto: Paulus Ponizak
Pfarrer Gottfried Martens hat über 1.000 Flüchtlinge getauft, vor allem Iraner und Afghanen. Foto: Paulus Ponizak

Berlin (idea) – Die Situation für ehemalige muslimische Asylsuchende, die zum Christentum konvertiert sind, hat sich in Berlin und Brandenburg dramatisch verschlechtert. Dieser Ansicht ist der Pfarrer der Dreieinigkeits-Gemeinde Berlin-Steglitz, Gottfried Martens. Der Geistliche setzt sich in seiner zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehörenden Gemeinde mit mehr als 1.600 Mitgliedern besonders für zum Christentum übergetretene Flüchtlinge ein. Er hat über 1.000 von ihnen getauft, vor allem Iraner und Afghanen. Wie Martens der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, wurden in seiner Gemeinde bereits „mehrere Hundert“ Flüchtlinge abgelehnt, da sie nach Einschätzung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nur aus asyltaktischen Gründen Christen geworden seien, um ihre Abschiebung zu verhindern. Selbst seine Aussagen würden angezweifelt: „Ich sehe das Leid dieser Menschen, die seit vielen Jahren Christen sind, sich in Gottesdiensten und Arbeit mit Kindern einbringen und dann abgeschoben werden sollen.“

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Entscheidungen werden nur aufgrund von Protokollen getroffen

Nach Einschätzung Martens ist die Situation seit dem Sommer 2016 zunehmend schwieriger geworden, da zu diesem Zeitpunkt kurzfristig viele neue „Entscheider“ und „Anhörer“ eingestellt worden seien. Zudem sei es zu einer Trennung beider Positionen gekommen, so dass Entscheidungen allein aufgrund von Protokollen getroffen wurden. Auch mit den Dolmetschern habe es Probleme gegeben, wenn sie nicht alles oder aber falsch übersetzten. Da viele Gemeinden davon betroffen seien, fordert Martens die Kirchen auf, „mit einer Stimme gegen das Unrecht zu sprechen“. Martens ist seit 2013 Pfarrer in Berlin-Steglitz. Die Dreieinigkeits-Gemeinde versteht sich in besonderer Weise als Missionsgemeinde. Regelmäßig wird Taufunterricht mit Übersetzung auf Farsi angeboten. Zudem gibt es persische Bibelstunden, Gebetsandachten und Gemeinschaftsangebote.

Bischof Abromeit: Verfahren „gefährdet Trennung von Staat und Kirche“

Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), hatte in seiner Neujahrsansprache kritisiert, dass Richter den Glauben von in Deutschland getauften Flüchtlingen beurteilen. Dies gefährde die Trennung von Staat und Kirche. Als Ursache für die skeptische Haltung der Behörden vermutete er, dass die Prüfer häufig selbst keinen Zugang zur lebensverändernden Kraft des Glaubens hätten.

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