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NDR-Dokumentation
25. März 2018

Gemeinde kritisiert „manipulative Darstellung“

Der Filmemacher Hans Jakob Rausch (rechts) im Gespräch mit Pastor Günter Seifert. Screenshot: ndr.de
Der Filmemacher Hans Jakob Rausch (rechts) im Gespräch mit Pastor Günter Seifert. Screenshot: ndr.de

Hamburg/Bietigheim-Bissingen (idea) – Als „hoch manipulativ“ kritisiert der Pastor der Freien Christengemeinde „The Way of Holiness“ (Der Weg der Heiligkeit), Günter Seifert (Bietigheim-Bissingen), eine Dokumentation des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Der Beitrag mit dem Titel „7 Tage ... unter radikalen Christen“ wurde am 21. März um 23.50 Uhr ausgestrahlt (Wiederholung am 24. März um 13.30 Uhr). Der Filmemacher Hans Jakob Rausch berichtet darin von einem einwöchigen Besuch in der charismatisch geprägten Gemeinde. Über sich selbst sagt er in dem Film, als „Sohn einer Pastorin“ habe er von seiner Mutter gelernt, „dass Christentum und Vernunft keine Gegensätze“ seien. Der „große Gegensatz“ zwischen ihm und den Charismatikern sei, dass sie „die Bibel wörtlich auslegen und ihren Glauben für die alleinige Wahrheit“ hielten. „Sie bezeichnen Homosexuelle als Sünder, leugnen die Evolutionstheorie und glauben an Dämonen“, so Rausch. Über Seifert und seine Ehefrau Barbara, die die Gemeinde leiten, heißt es in dem Beitrag: „Sie sammeln Menschen am Tiefpunkt ihres Lebens auf und binden sie an sich, aber dafür muss jeder einzelne einen hohen Preis zahlen.“ Für sie gälten „von da an nur noch die strikten Regeln“ der Gemeinde. „Es gibt nur noch die eine Wahrheit. Die Welt da draußen wird zum Feind.“ Außerdem erwecke Seifert bei den Gemeindegliedern den Eindruck, durch Gebet und Handauflegen Krankheiten heilen zu können.

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Pastor: Niemand wird gezwungen, Verhaltensregen einzuhalten

Seifert sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, der Filmemacher habe es „darauf angelegt, die Arbeit der Gemeinde zu zerpflücken“. In ihr werde niemand gezwungen, bestimmte Ansichten zu teilen oder Verhaltensregeln einzuhalten. In seinen Predigten müsse er aber „aussprechen, was im Wort Gottes steht“. Seine Ehefrau erklärte in einer Stellungnahme, die Dokumentation bediene Klischees über charismatische Christen. Das Filmteam habe sie mit einer Lüge zur Mitwirkung an dem Beitrag überredet. Vor den Dreharbeiten sei in Telefongesprächen gesagt worden, der Film solle untersuchen, warum sich immer mehr Menschen freien Gemeinden anschließen. Erst im Nachhinein habe der Sender sie informiert, dass die Dokumentation als „Streitfilm“ geplant gewesen sei. In der Freien Christengemeinde werde „Jeder herzlich angenommen“, könne aber auch „jederzeit wieder gehen“. Ihr Motto sei: „Leben und leben lassen.“ In Interviews mit dem Filmteam hätten Gemeindeglieder von positiven Erlebnissen und Heilungen berichtet. Diese Passagen seien aber im Beitrag nicht gesendet worden.

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