Sonntag • 17. November
Gütesiegel: öffentlich-rechtliche Anerkennung
13. September 2019

Immer wieder – der Sektenvorwurf

Der „Blick“ veröffentlichte einen Sekten-Atlas. Unter dem Bild von Uriella wurden auch freikirchliche Gemeinden aufgeführt. Das Wochenmagazin ideaSpektrum lud Freikirchenkritiker Hugo Stamm zu einem Streitgespräch mit Johannes Wirth, dem Leiter der
Der „Blick“ veröffentlichte einen Sekten-Atlas. Unter dem Bild von Uriella wurden auch freikirchliche Gemeinden aufgeführt. Das Wochenmagazin ideaSpektrum lud Freikirchenkritiker Hugo Stamm zu einem Streitgespräch mit Johannes Wirth, dem Leiter der

(idea/fi) - Die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften kommt für die Gesellschaft einem Gütesiegel für eine korrekte Religion gleich. Auch in einer Zeit, in der die Mitgliederzahlen (bei Reformierten) erodieren und Missbrauchsskandale (bei Katholiken) für Schlagzeilen sorgen, ist der Sektenverdacht gegenüber Freikirchen und Gemeinschaften nicht auszurotten. Schon in den Gründungsjahren musste sich der Verband mit Publikationen herumschlagen, die von einem Misstrauen gegenüber unabhängigen Glaubensgemeinschaften geprägt waren. 1923 wurde der "Kirchenbund" um "seine Mitwirkung in den Bemühungen gegen den Missbrauch der Bezeichnung 'Sekte'" gegenüber Freikirchen, Gemeinschaften und Werken gebeten, wie die erste Jubiläumsschrift des "Aarauer Verbandes" vermerkt.

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"Kirchen zweiter Klasse"

Auch gegenüber den Behörden mussten sich die freien Kirchen und Organisationen immer wieder behaupten. Schon in den 1920er-Jahren kämpften sie in den Kantonen Zürich und Bern um Steuerbefreiung. Im Kanton Zürich sollte eine Billettsteuer für musikalische Gemeindefeiern eingeführt und ausländische Redner mit einer Sondersteuer belegt werden. Gegenüber dem Militär mussten sie darauf pochen, dass auch unsakral anmutende freikirchliche Gemeindesäle nicht als Truppen­unter­künfte benutzt werden sollten. Dass im Blick auf Steuerabzüge die gemeinnützige Tätigkeit der Freikirchen bis heute nicht anerkannt wird - und dies auch nach den klaren Befunden durch die FAKIR-Studie -, ist eine leidige Pendenz für den Verband und die betroffenen Freikirchen.

Vorurteile bauen sich ab

Dazu gesellte sich öfter auch das Misstrauen von Mitgliedern und Amtsträgern der Landeskirchen und ihrer Institutionen. Es konnte trotz Kontakten, insbesondere zum SEK, noch nicht vollständig abgebaut werden, weil die Resultate der Gespräche nicht bis zur Basis gelangen. Oft waren das Misstrauen und die Ablehnung gegenseitig. Landeskirchler bezeichneten die Freikirchler als Sektierer, die Freikirchler die Landeskirchler als Papierchristen ohne persönliche Entscheidung zur Nachfolge Christi. Es sind Denkmuster, die sich erst unter dem Einfluss der Säkularisierung der Gesellschaft allmählich abbauen. Dieser fordert Landes- und Freikirchen heraus, sich stärker auf gemeinsame Werte zu besinnen als die Unterschiede zu betonen.

Antikirchlicher Gegenwind trifft alle

Den antikirchlichen Gegenwind bekommen auch die Landeskirchen zu spüren. Die wachsende Freidenkerbewegung fordert die Gleichstellung aller Kirchen und ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit. So finden sich Landes- und Freikirchen zunehmend im gleichen Boot. Das wurde erst kürzlich im März 2019 an einer Tagung unter dem Titel "Religion - raus aus der Öffentlichkeit. Ist Glaube reine Privatsache?" deutlich. Sie wurde gemeinsam von der Uni Freiburg, dem SEK und der SEA durchgeführt. 

Quelle: Fritz Imhof: "Profile einer dynamischen Bewegung. Schweizer Freikirchen - was sie seit 100 Jahren verbindet", Norderstedt, 2019

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