Montag • 23. April
ERF Medien
05. April 2018

Kündigung von Redakteuren landet vor Gericht

Der Haupteingang des ERF Medienhauses. Screenshot: Imageclip ERF Medien
Der Haupteingang des ERF Medienhauses. Screenshot: Imageclip ERF Medien

Wetzlar/Gießen (idea) – Bei ERF Medien mit Sitz im mittelhessischen Wetzlar ist es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung mit drei Redakteuren gekommen. Ihnen war Anfang Februar gekündigt worden. Nun kam es zu zwei Güteverhandlungen am Gießener Arbeitsgericht. Während der 62-Jährige die ihm angebotene Abfindung von 45.000 Euro akzeptierte, lehnte seine 48-jährige frühere Kollegin, die 27 Jahre beim ERF gearbeitet hat, die angebotene Abfindung in Höhe von drei Monatsgehältern ab. Für den 17. April ist nun ein zweiter Termin (Kammertermin) anberaumt. Eine weitere ehemalige Mitarbeiterin, ebenfalls 48 Jahre alt, klagt auf Wiedereinstellung. Der Prozess ist für den 15. Mai angesetzt. Der Vorstandsvorsitzende von ERF Medien, Jörg Dechert, wollte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea nicht zu dem Fall äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

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Hintergrund sind mutmaßlich strafrechtlich relevante Vorfälle bei einem Kollegen

Im Hintergrund der Kündigung steht laut der Wetzlarer Neuen Zeitung (WNZ) unter anderem die 2015 erfolgte Einstellung eines Bereichsleiters. Die Redakteure hatten von angeblich strafrechtlich relevanten Vorfällen gegen ihn erfahren. Darüber hatten sie, so die WNZ, erstmals Anfang 2017 die Unternehmensleitung informiert. Als nichts passiert sei, sollen sie selbst Gespräche mit Zeugen geführt und die Protokolle dem ERF-Vorstand angeboten haben. Die Leitung habe die Redakteure daraufhin wegen Störung des Betriebsfriedens abgemahnt, später freigestellt, Hausverbote ausgesprochen und ihnen schließlich gekündigt. Rechtsanwalt Martin Hirschmüller, der den ERF vertrat, sagte laut WNZ vor dem Arbeitsgericht, Mitarbeiter könnten nicht gegen andere Mitarbeiter ermitteln. Weil keine Strafanzeige gegen den Bereichsleiter vorgelegen habe, habe man auch nicht mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen reagieren können. Man habe sich aber Ende Dezember „einvernehmlich“ von ihm getrennt. Der Anwalt der beiden jetzt gekündigten Mitarbeiter, Stefan Menz, sieht die Situation anders: Seinen Mandanten sei es darum gegangen, Schaden von ihrem Arbeitgeber abzuwenden. Stattdessen seien sie nun bestraft worden.

Staatsanwaltschaft Duisburg: Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs

Die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg, Jennifer König, bestätigte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass mittlerweile ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Bereichsleiter wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von mutmaßlich zwei Jugendlichen oder Kindern, des Besitzes pornografischen Materials von Minderjährigen und der Unterschlagung oder Untreue laufe. Die vorgeworfenen Taten bezögen sich auf einen länger zurückliegenden Zeitraum „Anfang der 2.000er Jahre“. Derzeit könne man deswegen noch nicht genau sagen, wie alt die Betroffenen damals waren und ob die mutmaßlichen Taten möglicherweise bereits alle verjährt sind. Die Strafanzeige gegen den früheren ERF-Mitarbeiter sei Ende Oktober 2017 eingegangen. Der 1959 als Evangeliums-Rundfunk gegründete Sender beschäftigt 190 Mitarbeiter und finanziert seine Arbeit überwiegend aus Spenden.

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