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Porträts
28. Dezember 2017

Die Christen des Jahres 2017

Robert Rahm, Catherine McMillan Fotos: zvg, SRF/Merly Knörle
Robert Rahm, Catherine McMillan Fotos: zvg, SRF/Merly Knörle

Jedes Jahr ernennt die Schweizer idea-Redaktion zwei Persönlichkeiten, die ihren christlichen Glauben überzeugend in der Öffentlichkeit gelebt haben, zu ihren „Christen des Jahres“. Im Jahr 2017 waren es der Unternehmer Robert Rahm und die Pfarrerin Catherine McMillan.

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Robert Rahm: „Ich sterbe lieber ärmer, dafür behalten meine Mitarbeiter den Job“

Anfang Oktober wurde die Hiobs-Botschaft publik: Die Hallauer Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG wird verkauft. Für den 79-jährigen Robert Rahm bedeutete das Grounding das Loslassen seines Lebenswerks. Zusammen mit seinem Bruder Emil hatte er die Kellerei einst vom Vater übernommen und zu einem Betrieb aufgebaut mit 45 Mitarbeitern und einem jährlichen Absatz von sechs Millionen Flaschen Wein und Traubensaft. Wie Robert Rahm im Interview mit ideaSpektrum sagte, musste die Familie Rahm einen grossen Teil ihres Vermögens abschreiben, um den Fortbestand der Kellerei zu ermöglichen.

Dass die Familie Rahm sich auf christliche Werte beruft, wurde in den Medienberichten über den Verkauf deutlich. „Als Christen streben wir danach, Christus ähnlich zu werden, ihm nachzufolgen in seiner Barmherzigkeit und Liebe, seinem Verständnis und seiner Hingabe, den Nächsten im Blick. Denn Dienen kommt vor Verdienen“, wurde Robert Rahm in den „Schaffhauser Nachrichten“ zitiert. „Ich sterbe lieber ärmer, dafür behalten die Mitarbeiter ihren Job und die Traubenlieferanten ihren Abnehmer“, erklärte er gegenüber dem „Blick“. Rahm sagte auch, dass er dem ehemaligen Finanzchef vergeben habe, der durch Untreue die Insolvenz mitzuverantworten hatte. Via Boulevard-Blatt fanden Rahms Worte Hunderttausende von Leserinnen und Lesern. Mit seiner Haltung erntete er unzählige respektvolle Echos wie dieses: „Hut ab, dass Herr Rahm nicht nur davon spricht, sondern sich seine Herzenshaltung auch in diesen schwierigen Tagen widerspiegelt.“ Der „Blick“ wurde zum Traktat für christliche Ethik.

Catherine McMillan: Wichtiges Signal in die Richtung freikirchlicher Gemeinden

Seit 2016 gehört die Dübendorfer Pfarrerin Catherine McMillan (56) zum Kreis der „Wort zum Sonntag“-Sprecher. Gleich mit ihrer zweiten Sendung brach sie mit 20.000 „Views“ den Rekord im Videoplayer von Schweizer Fernsehen SRF. In der Botschaft mit dem Titel „Bibel lesen ist kritisch“ wehrte sie sich dagegen, Freikirchen mit Sekten gleichzusetzen. Sie verwies auf die leidvolle Verfolgungsgeschichte von Andersdenkenden christlichen Gemeinschaften während der Reformationszeit. „Wir sollten aufpassen, dass wir die damaligen Vorurteile gegen die Täufer nicht auf Freikirchen und Migrationskirchen übertragen“, erklärte sie gegenüber der Zeitung „reformiert“. Die auch am Bildschirm sympathisch wirkende vierfache Mutter setzte damit ein wichtiges Signal in die Richtung freikirchlicher Gemeinden und Gruppen. Auch im Jahr 2017 griff die Theologin heikle Themen auf, etwa Abtreibung: „Es scheint mir, dass unsere Gesellschaft immer weniger Verständnis dafür hat, wenn eine Frau nicht abtreiben will, auch wenn das Kind nicht geplant war.“ Geboren wurde McMillan in Schottland und aufgewachsen ist sie in den Vereinigten Staaten. Ihre angelsächsisch-internationale Herkunft war ein Grund, weshalb die Zürcher Landeskirche sie zur Reformationsbotschafterin erkoren hat. Als Pfarrerin sieht McMillan ihre Berufung im Engagement für Schwache und Randständige. Sie ist Vizepräsidentin des Vereins IG Flüchtlingsarbeit in der Dübendorfer Kirchgemeinde.

(Autor: Christof Bauernfeind)

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