Montag • 25. Januar
Schweizer Parlament und Londoner Gericht
10. Dezember 2020

Streitpunkt: Geschlechtsumwandlung von Teenagern

Teenageralter stellen sich immer häufiger Fragen zur Geschlechtsidentität. Leichtfertige Schritte zum Geschlechtswechsel sind nicht die Lösung, finden der Ständerat und ein Londoner Gericht. Symbolbild: pixabay.com
Teenageralter stellen sich immer häufiger Fragen zur Geschlechtsidentität. Leichtfertige Schritte zum Geschlechtswechsel sind nicht die Lösung, finden der Ständerat und ein Londoner Gericht. Symbolbild: pixabay.com

Bern/London (idea/dg) - Sollen Teenager unter 16 Jahren ohne elterliche Unterschrift ihren Geschlechtseintrag im Personenstandsregister ändern lassen? Der Ständerat sprach sich heute, 10. Dezember nicht zum ersten Mal mehrheitlich gegen eine solche Möglichkeit aus. Die Tragweite einer Entscheidung zum Geschlechtswechsel im Teenageralter wurde in der Debatte diskutiert. Wann der Nationalrat, der die elterliche Unterschrift für diesen Schritt bisher ganz weglassen will, die Vorlage nochmals beraten wird, ist noch nicht bekannt.

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Aktuelle Beurteilung eines Londoner Gerichts

Zur Geschlechtsumwandlung von Teenagern lässt aktuell ein Gerichtsurteil vom 1. Dezember in London aufhorchen. „In seinem Urteil hielt das Gericht fest, die Konsequenzen einer Behandlung mit Pubertätsblockern seien tiefgreifend, aber der Erfolg sei unklar, und die langfristigen Folgen würden noch nicht verstanden“, beschreibt der Tagesanzeiger am 9. Dezember die Analyse des Gerichts. Es sei unklar, „ob Pubertätsblocker das richtige Mittel seien, um Jugendlichen mehr Zeit für die Entscheidung über ihr Wunschgeschlecht zu verschaffen. Denkbar sei auch, dass die Behandlung zur Verfestigung von Problemen führe, die sich ohne Behandlung von selbst gelöst hätten.“

Das Gericht untersuchte verschiedenste Aspekte der Ausgangslagen von Teenagern mit sogenannter Geschlechtsinkongruenz, der Behandlungsweisen und der Wirkungen der Pubertätsblocker. Nebst den vom Tagesanzeiger zusammengefassten Aussagen stellt das Gericht auch fest: „Auch wenn ein Kind das Konzept des Verlustes zum Beispiel der Fruchtbarkeit verstehen kann, ist dies nicht dasselbe, wie zu verstehen, wie dies sein Erwachsenenleben beeinflussen wird. Die Haltung eines Kindes, biologisch Kinder zu kriegen, und dessen Verständnis, was es wirklich bedeutet, verändert sich wahrscheinlich zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein.“ Auch die Bedeutung sexueller Erfüllung, und was die Behandlung in dieser Hinsicht mit sich bringe, könne von vielen Kindern noch nicht verstanden werden.

23-Jährige bereut und ging vor Gericht

Das Gerichtsurteil geht auf den Fall von Keira Bell zurück. Die dreiundzwanzigjährige Frau bereut, dass ihr - wie immer mehr Teenagern - im Alter von 16 Jahren von einer auf Geschlechtsumwandlung spezialisierten Klinik in London sogenannte Pubertätsblocker verschrieben worden waren. Keira Bell wirft jetzt auch einen kritischen Blick auf den Einfluss, den ihre damaligen Internet-Lektüren auf sie ausgeübt hatten.