Montag • 11. Dezember
Beat Weber
30. November 2017

"Spiritualität bleibt eine wichtige Ressource"

Beat Weber:
Beat Weber: "Spiritualität ist eine Hilfe." Foto: Fritz Imhof

(idea) - "Ein Notfallseelsorger muss in belastenden Situationen kompetent psychosoziale Nothilfe leisten können", so erklärt Beat Weber (62) von der Notfallseelsorge Schweiz die Kernaufgabe. Dies diene zur Vermeidung posttraumatischer Belastungsstörungen. Neben staatlich zertifizierten Notfallseelsorgern - Psychologen, Mediziner, Psychiater, Pfarrer - gibt es eine zweite Gruppe ohne diese spezifische berufliche Grundqualifikation, aber mit anderer Ausbildung und hoher Motivation. Sie werden auf ihre Eignung hin geprüft und dann zu "Care Peers" und "Givers" ausgebildet, die einen vergleichbaren Dienst leisten. Die Care-Dienste seien kantonal, und somit bezüglich Organisation, Ausbildung und Einsatz unterschiedlich organisiert, erklärt Weber gegenüber idea. Gemeinsam sei ihnen, dass sie in enger Zusammenarbeit mit Polizei, Rettungssanität und Feuerwehr arbeiteten. Diese Care-Teams sind in der Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge Schweiz vernetzt.

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Einsatz in der Akutphase

Die Einsätze der Notfallseelsorger erfolgen oft zusammen mit der Polizei - bei Kindstod, Suizid, Verbrechen, der Überbringung der Todesnachricht bis hin zu Unfällen und Katastrophen. Sie betreffen die Akutphase eines belastenden Ereignisses. Die Weiter- und Nachbetreuung wird - wo nötig - in andere Hände übergeben. Die Care Teams können nicht privat aufgeboten werden; ihr Einsatz geschieht über die Alarmierung der Rettungsdienste.

Von der Notfallseelsorge zum Care Team

Die Frage der Zusammenarbeit zwischen "säkularem" Staat und "Kirchenleuten" in einem öffentlichen, sensiblen Bereich werde immer diskutiert, sagt Beat Weber. Hier gebe es je nach kantonalen Gegebenheiten und Erfahrungen unterschiedliche Diskurse und Lösungen. Im Kanton Bern, wo Weber selbst als Notfallseelsorger gearbeitet hat, habe der Staat bei den Personalentscheiden die Leitung des Care Teams bisher stets einer Pfarrperson übertragen. Allerdings habe man die Bezeichnung "Notfallseelsorge" aufgegeben, und im Care Team sei die Zahl der Nichttheologen inzwischen grösser als die der Theologen. Weber: "Die Ausbildung wurde professionalisiert und das Selbstverständnis stärker 'säkularisiert', ohne dass damit das Religiöse oder Spirituelle ausgeschlossen wird."

Weber: "Spiritualität ist eine Ressource"

Auf die Frage, ob die Care Teams der Zukunft religiös neutral seien, antwortete Beat Weber von der Notfallseelsorge Schweiz, er halte es von der Sache her für gut und naheliegend, dass Kirchen mittragen und Geistliche beauftragt würden. Er verstehe diesen Dienst als Diakonie, nicht als Verkündigung: "Wir stehen den Menschen bei aus unserer christlichen Grundüberzeugung heraus." Auch ein Atheist, ein religiös indifferenter Mensch oder ein humanistischer Psychologe habe eine Weltanschauung, sagt Beat Weber im Interview mit idea. Im Dienst an Menschen in Notsituationen sei achtsam damit umzugehen. Spiritualität sei eine Ressource und Hilfe im Umgang mit Not und Tod. 

Das ausführliche Interview mit Beat Weber von der Notfallseelsorge Schweiz steht im Wochenmagazin ideaSpektrum 48-17. 

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