Freitag • 25. Mai
Umfrage
29. April 2018

Mehrheit der Deutschen ist gegen Kreuz in Behörden

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält am 24. April ein Kreuz, das er im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei anschließend aufhängt. Foto: picture-alliance/Peter Kneffel/dpa
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält am 24. April ein Kreuz, das er im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei anschließend aufhängt. Foto: picture-alliance/Peter Kneffel/dpa

Berlin/München (idea) – Fast zwei Drittel der Deutschen (64 Prozent) wollen nicht, dass in jeder staatlichen Behörde in Deutschland ein Kreuz hängt. Das ergab eine Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“. 29 Prozent sind für eine Kreuz-Pflicht. Unter Protestanten sind 62 Prozent dagegen und 34 Prozent dafür. Bei Katholiken fällt das Ergebnis knapper aus: 48 Prozent lehnen ein Kreuz in Behörden ab, 38 Prozent plädieren dafür. Anlass für die Umfrage ist ein Beschluss des bayerischen Kabinetts auf Initiative von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Demnach soll in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingangsbereich ein Kreuz angebracht werden. Laut Söder hat das Kreuz eine „identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft“. Das Vorhaben löste eine Welle der Kritik aus, insbesondere in liberalen und linksorientierten Kreisen, aber auch in Teilen der Kirchen.

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Kirchliche Jugendverbände gegen „politisch-nationale Vereinnahmung“ des Kreuzes

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Bayern und die dortige Evangelische Jugend forderten die Staatsregierung auf, ihren Beschluss zurückzunehmen. In einem Offenen Brief heißt es: „Als junge Christinnen und Christen sind wir persönlich schockiert und betroffen. Damit wird das Ursymbol des Christentums, das für das Heilsversprechen Gottes an alle Menschen steht, instrumentalisiert und als Ausgrenzungssymbol missbraucht.“ Wenn der Ministerpräsident das Kreuz als „grundlegendes Symbol bayerischer Identität und Lebensart“ bezeichne, „verstehen wir dies als theologische Entleerung und Missachtung religiöser Sinndeutung und Identität“, so die kirchlichen Jugendverbände. Gegen diese „politisch-nationale Vereinnahmung“ des Kreuzes durch Söder verwehre man sich „aufs Schärfste“. Die beiden Jugendverbände äußern ihre Erwartung, dass sich die Bayerische Staatsregierung und die CSU künftig für eine Politik einsetzen, „die sich am christlichen Menschenbild orientiert und daher alle Menschen einschließt, unabhängig von Herkunft und Religion“.

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