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Pfarrer Germer
05. Dezember 2017

Keine Sorge bei Besuch von Weihnachtsmärkten

Foto: picture-alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB
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Wetzlar (idea) – Besucher von Weihnachtsmärkten sollten sich keine Sorgen machen. Das empfiehlt der Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin, Martin Germer, in einem Gespräch mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Ihm zufolge ist es statistisch gesehen gefährlicher, eine Hauptverkehrsstraße zu überqueren, als einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Germer: „Wir müssen aufpassen, dass wir die Welt nicht verzerrt wahrnehmen.“ Germer äußerte sich aus Anlass des ersten Jahrestages des schwersten islamistischen Anschlages in Deutschland. Am 19. Dezember 2016 hatte der Tunesier Anis Amri einen Lkw in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin gesteuert. Dabei kamen elf Menschen ums Leben, 55 wurden zum Teil schwer verletzt. Am 19. Dezember soll in einer Gedenkfeier an den Anschlag erinnert werden, zu der Angehörige der Opfer sowie führende Repräsentanten des Staates eingeladen sind. Dabei soll auf den Stufen der Kirche ein Gedenkort in Form eines goldenen Risses im Boden und der eingravierten Namen der Ermordeten eingeweiht werden. Germer zufolge bedeutet der 19. Dezember 2016 eine „tiefe Zäsur“. Für die Angehörigen der Opfer seien Schmerz und Verlust weiter da. Der Anschlag habe keinem bestimmten Menschen gegolten, sondern sollte die ganze Gesellschaft treffen. Dies mache das Geschehen besonders belastend.

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Germer: Der Anschlag ist nicht dem Islam anzulasten

Germer verteidigte die Inschrift auf der geplanten Gedenktafel. Auf ihr soll stehen: „Zur Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags am 19. Dezember 2016. Für ein friedliches Miteinander aller Menschen.“ Kritiker bemängeln den fehlenden Hinweis, dass es sich um islamischen Terror gehandelt habe. Nach Worten Germers gehen viele Anschläge in Europa nicht aus dem Islam hervor, sondern werden von Menschen begangen, „die eine Gewaltorientierung entwickelt haben und für die der Islam dann zu einer Ideologie geworden ist“. Dies sei gerade bei Anis Amri deutlich nachvollziehbar. Er habe mit Drogen gehandelt, Alkohol getrunken und Gewalt ausgeübt – das alles entspreche nicht den Regeln, wie Muslime zu leben haben. Germer: „Nach meiner Vermutung ist nicht der Islam die Wurzel seiner Tat, sondern dieser ist als ideologisches Vehikel dazugekommen.“ Diese Unterscheidung sei wichtig, da man sonst man in die Gefahr gerate, Islam und Islamismus gleichzusetzen. Die Integration von Muslimen befördere man nicht, indem man sie mit Klischee-Etiketten versehe. Von den laut Germer etwa vier Millionen Muslimen in Deutschland seien dem Verfassungsschutz zufolge einige Hundert islamistische „Gefährder“. Dies sei einerseits eine erschreckend hohe Zahl, andererseits eine winzige Minderheit, so Germer. Der Großteil der Muslime in Deutschland wolle friedlich leben. Germer: „Diese Muslime will ich unterstützen.“

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