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400 Führungskräfte am 5. Forum christlicher Führungskräfte
18. September 2020

"Jesus war ein Millennial!"

Besser
Besser "Lisi" als "Angi": SIKA-Manager Urs Jäger stellte bisherige Führungsmodelle auf den Kopf. Foto: idea/rh

Winterthur (idea) - "Glückliche Menschen leisten mehr!" Professor Alexander Hunziker belegte seine Aussage mit Ergebnissen aus der Glücksforschung. Schliesslich brachte er seine Kernaussage auf den Punkt: "Bemühen Sie sich nicht um Geld und Erfolg, sondern bemühen Sie sich, glücklicher zu werden. Geld und Erfolge finden dann den Weg von alleine zu Ihnen."

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Glück macht erfolgreich

Führungscoach Andreas Pfeifer betonte, dass nebst dem guten Produkt, der Qualität und reibungslosen Prozessen die Firmenkultur besonders zum frohen Schaffen beitrage. Um im Führungsalltag sicher zu navigieren, gelte es Orientierung und Klarheit zu schaffen. Pfeifer: "Doch das wichtigste Führungstool bist du selber!" Wer nicht genügend Zeit zur Reflektion habe, laufe Gefahr, dass die Arbeit überbewertet werde. Arbeit, Körper, Beziehungen und Sinn/Reflektion müssten in einer Balance stehen.

Besser "Lisi" als "Angi"

Lassen sich Mitarbeitende im Grunde gar nicht motivieren? SIKA-Manager Urs Jäger widersprach dieser oft gehörten Meinung: "Ich bin sehr wohl der Meinung, dass es funktioniert. Es braucht aber die richtige Struktur." Er sei überzeugt, dass sich mit durchschnittlichen Menschen nachhaltig überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen lassen. Laut Jäger sind Führungsmodelle häufig auf das "Angi"-System ausgelegt, also auf Angst und Gier. Mit der Aussicht auf Boni und Beförderungen soll aus jeder und jedem Einzelnen das Maximum herausgepresst werden. Nachhaltiger sei hingegen das "Lisi"-System, das auf Liebe und Sinn fokussiere. Grundlage dafür seien flache Hierarchien, in deren Rahmen sich Mitarbeitende in erster Linie aufgrund ihrer Aufgaben unterscheiden. "Hier muss niemand der Chef sein, um Anerkennung zu finden. Alle haben eine verantwortungsvolle Aufgabe, die wichtig und sinnvoll ist." Mit einer Wohlfühloase habe das nichts zu tun. Wertschätzung bedeute nämlich nicht, den Mitarbeitenden ständig auf die Schulter zu klopfen, sondern in sie zu investieren. Bei einem Team aus selbstmotivierten Menschen, die überzeugt, befähigt und befreit seien, stelle sich der Erfolg von selbst ein.

Muss Arbeit Spass machen?

Insgesamt beleuchteten 20 Referierende am Forum, wie Führungskräfte mit den Wechselwirkungen zwischen Sinnsuche, Lebensglück, Erfolgsdruck und Unternehmenskultur umgehen. Zu ihnen gehörte der 35-jährige Adriel Jost, Chefökonom und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens WPuls, das aus Wellershoff & Partners hervorgegangen ist. Aus Sicht eines Millennials - einer Person, die zwischen 1980 und 1995 geboren ist - ging Jost darauf ein, ob Arbeit Spass machen muss. "Millennials stellen das 'Warum' in den Mittelpunkt: Warum gehe ich überhaupt arbeiten? Geht es im Leben nicht um viel mehr?" Das heisse nicht, dass Millennials faul seien. Sie seien aber nicht bereit, für etwas Geld die Seele zu opfern. In diesem Sinn sei auch Jesus ein Millennial gewesen: Er habe Gottes Reich an erste Stelle gesetzt und eben nicht die Arbeit. Josts Tipp an die ältere Generation: "Stellt euch die Warum-Frage, entwickelt Visionen!" Gleichzeitig mahnte Jost die jüngere Generation, dass die Musik angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs Chinas und Indiens in Zukunft weniger im Westen spielen werde. Gefragt sei deshalb nicht nur Spass bei der Arbeit, sondern sehr viel Ausdauer. "Es wird uns Millennials nichts anderes übrigbleiben, als hart zu arbeiten."

Begegnungen ermöglicht

Joel Blunier, Co-Präsident des Vereins Forum christlicher Führungskräfte, zog im Rahmen der Medienkonferenz eine positive Bilanz: "Es war der richtige Entscheid, das Forum trotz der schwierigen Situation rund um Corona durchzuführen. Wir konnten zahlreichen Verantwortungsträgern und jungen Berufsleuten Hoffnung und praktische Lösungsansätze vermitteln. Und trotz der Schutzmassnahmen gab es auch abseits der Referate viele inspirierende Begegnungen zwischen den Teilnehmenden. Genau darum geht es am Forum."