Montag • 23. April
Münster
08. April 2018

Amokfahrt: Die Leute schrien „Oh mein Gott!“

Polizisten sichern den Bereich unweit von Dom und Lambertikirche. Dort war ein Mann – offenbar absichtlich – mit einem Kleinbus in eine Menschengruppe gerast. Foto: picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa
Polizisten sichern den Bereich unweit von Dom und Lambertikirche. Dort war ein Mann – offenbar absichtlich – mit einem Kleinbus in eine Menschengruppe gerast. Foto: picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa

Münster (idea) – Mit Entsetzen und Aufrufen zum Gebet haben Kirchenvertreter auf die Amokfahrt am 7. April in Münster reagiert. Dort war ein Mann – offenbar absichtlich – mit einem Kleinbus in eine Menschengruppe gerast – unweit von Dom und Lambertikirche. Drei Personen starben – darunter der Täter – und 20 wurden verletzt, vier davon schweben in Lebensgefahr. Nach Medienberichten soll es sich bei dem Todesfahrer um einen psychisch kranken Deutschen handeln. Der 48-Jährige aus Münster erschoss sich nach seiner Tat im Fahrzeug. Hinweise auf einen Terroranschlag gibt es nicht. Ein Augenzeuge berichtete laut „Bild am Sonntag“: „Ich habe einen lauten, dumpfen Schlag gehört und mit einem Mal schrien die Leute auf ‚Oh mein Gott!“. Alle liefen nach vorn. Ein Minute später waren schon Streifenwagen da.“ Der (katholische) Bischof von Münster, Felix Genn, zeigte sich „zutiefst erschüttert und fassungslos“. In seinen Gedanken und Gebeten sei er bei den Opfern und ihren Familien. Genn rief dazu auf, für die Betroffenen zu beten.

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Präses Kurschuss: Wieder einmal tun sich unheimliche Abgründe auf

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus (Bielefeld), erklärte angesichts der Tat: „Wieder einmal tun sich unheimliche Abgründe auf.“ Die Gewissheit, dass Gott für alle das Leben wolle, mache das Entsetzen über ein solches Geschehen umso tiefer. Die Präses: „Wir lassen nicht ab, uns an den lebendigen Gott zu wenden. Auch jetzt. Gerade jetzt. Ja, jetzt erst recht.“ Zudem bitte sie darum, „dass die Angst uns nicht zu vorschnellen Verurteilungen verleitet“ und ... „dass das Unbegreifliche uns nicht in Hass und Verachtung treibt“. Auch der evangelische Superintendent Ulf Schlien äußerte seine Anteilnahme: „Die Sorge und das Mitgefühl für die Menschen, die Schaden an Leib und Seele genommen haben und ihre Angehörigen ist groß.“ Nun gelte es, besonnen zu bleiben und der Angst und Unruhe zu begegnen. „Wir müssen das schlimme Ereignis in allen Facetten wahrnehmen und begreifen.“ Dafür wolle man als evangelische Kirche mit den ökumenischen Partnern Türen öffnen und lade zu verschiedenen Gottesdiensten und Andachten ein, damit Menschen nicht allein bleiben.

Superintendent dankt Rettungskräften

Es gebe in all der Not Anlass zu einer großen Dankbarkeit für die vielen Helfer bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Notfallseelsorge, so der Superintendent. Am Abend des 8. April findet ein ökumenischer Gottesdienst im St. Paulus-Dom statt (19.30 Uhr). Dort solle „für all diejenigen gebetet werden, deren Leben durch die Vorfälle am Samstag auf so schreckliche Weise aus den Angeln gehoben wurde“, kündigte das Bistum Münster an. Auch Politiker und Kulturschaffende äußerten ihre Bestürzung über die Tat. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „zutiefst erschüttert“ über die „schrecklichen Geschehnisse“. Es werde jetzt „alles Denkbare zur Aufklärung der Tat und zur Unterstützung der Opfer und ihrer Angehörigen getan“. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) besuchten am Mittag des 8. April den Tatort. Seehofer sprach von einem „feigen und brutalen Verbrechen“. Man hoffe und bete inbrünstig dafür, dass die Verletzten wieder gesund werden. Das Umfeld des Täters werde nun komplett ausgeleuchtet. So wolle man ausschließen, dass es sich nicht doch um eine Terrortat handele, so der Innenminister. Ein Hauptdarsteller der Krimireihe „Tatort“, Axel Prahl, erklärte zu der Tat in „Bild am Sonntag“: „Das ist eine Tragödie für die Stadt.“ Prahl spielt den Kommissar Frank Thiel im Münster-„Tatort“.

Muslim-Repräsentant Mazyek wütet: „Wir brauchen uns nicht wundern ...“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek (Köln), fragte am 8. April im Kurznachrichtendienst Twitter: „Deutsche Täter sind psychisch gestört – muslimische ‚islamistische‘ Terroristen?“. „Mit diesem unsäglichen Doppelstandarddiskurs brauchen wir uns nicht wundern, warum Islamphobie stets weiter steigt.“ Damit werde „das Geschäft der Extremisten und Terroristen“ betrieben.

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