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Pastor
11. April 2018

Willow Creek: Hybels tritt als Hauptpastor vorzeitig zurück

Der Gründer der Willow-Creek-Gemeinde in South Barrington, Bill Hybels, ist vorzeitig zurückgetreten. Foto: Torsten Indra/WillowCreek
Der Gründer der Willow-Creek-Gemeinde in South Barrington, Bill Hybels, ist vorzeitig zurückgetreten. Foto: Torsten Indra/WillowCreek

South Barrington (idea) – Der Gründer der Willow-Creek-Gemeinde in South Barrington (bei Chicago im US-Bundestaat Illinois), Bill Hybels, hat sein Amt als Hauptpastor vorzeitig abgegeben. Das teilte er am 10. April seiner Gemeinde mit. Ursprünglich sollte der Wechsel im Oktober erfolgen. Hintergrund sind Vorwürfe gegen Hybels. Er soll weibliche Mitglieder und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Die Anschuldigungen umfassen laut einem im März veröffentlichen Bericht der US-Zeitung „Chicago Tribune“ „anzügliche Kommentare, lange Umarmungen, einen unerwünschten Kuss und Einladungen in Hotelzimmer“. Darüber hinaus habe eine verheiratete Frau zunächst behauptet, eine langjährige einvernehmliche Affäre mit Hybels gehabt zu haben. Sie habe diese Behauptung aber später zurückgenommen. Hybels hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

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Hybels: Ich habe Frieden über diese Entscheidung

Wie er in einer Stellungnahme auf der Internetseite seiner Gemeinde schreibt, wünschen er und seine Frau sich, dass die Arbeit von Willow Creek erfolgreich ist. Aber es sei zuletzt immer klarer gewesen, dass sie nicht gedeihen könne, wenn ihre Leiter ihre wertvolle Zeit und Energie aufteilen müssten. Unabhängige Untersuchungen hätten ergeben, dass die Anschuldigungen haltlos seien. Deswegen habe ihn das Leitungsgremium – die Ältesten – auch gebeten, sein Amt wie geplant bis zum Herbst auszuüben. Doch es habe auch Christen gegeben, die trotzdem verwirrt sowie hin- und hergerissen gewesen seien. Deswegen habe er sich zu diesem Schritt entschlossen. Es sei allein seine Entscheidung gewesen, betonte er, habe aber nach vielen Diskussionen die einhellige Unterstützung der Ältesten und des Führungsteams erhalten. Er habe „völligen Frieden“ über seinen Schritt.

Der „Mangel an Weisheit“ tut mir leid

Er erläuterte, dass er auf die Anschuldigungen zuerst verärgert reagiert habe. Er habe sich angegriffen gefühlt. Wenn er die Zeit noch einmal zurückdrehen könne, würde er anders vorgehen. Er entschuldige sich deswegen für seine defensive Reaktion. Ferner erkenne er nun, dass er „in manchen Situationen“ in der Vergangenheit Dinge kommuniziert habe, die auf eine Art wahrgenommen wurden, die er nicht beabsichtigt habe und wo Menschen sich manchmal unbehaglich fühlten: „Ich war viel zu lange blind für diese Dynamik. Das tut mir sehr leid.“ Zudem habe er sich zu oft in Situationen begeben, wo es besser gewesen wäre, sie zu vermeiden. Er sei manchmal naiv bezüglich der Dynamik gewesen, die diese hervorriefen: „Es tut mir leid für den Mangel an Weisheit meinerseits. Ich verpflichte mich, mich in Zukunft niemals in ähnliche Situationen zu begeben.“ Die Aufgabe als Hauptpastorin übernehme nun Heather Larson. Hybels: „Ich glaube von ganzem Herzen an Gottes Vision für die Zukunft unserer Kirche und an das hervorragende Team, das die Führung übernehmen wird.“ Es folge für ihn nun eine Zeit des Nachdenkens. Anschließend werde er wieder die Gemeinde besuchen: „Willow wird immer meine Heimatgemeinde sein.“

Willow Creek Deutschland: Wir bedauern den Rücktritt

Die Leitung von Willow Creek Deutschland bedauert, dass Hybels aufgrund der Diskussion um seine Person einige Monate vor dem geplanten Ende seiner Amtszeit zurückgetreten ist. Der geschäftsführende Vorstand teilte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit: „Wir verstehen seine Entscheidung als einen Schritt, Schaden von der laufenden Gemeindearbeit und dem nächsten Leadership Summit in den USA zu wehren.“ Das „Global Leadership Summit“ ist eine jährlich stattfindende Leitungskonferenz. Man halte fest, dass die im Auftrag der Gemeinde durchgeführte unabhängige Untersuchung, die zu einer Zurückweisung der Beschuldigungen führte, weiterhin Bestand habe: „Zugleich hoffen wir, dass durch den Rücktritt ein sinnvoller Freiraum entsteht, in dem ein offenes Hören und Gespräch besser gelingen kann und zu weiterer Klärung und Versöhnung führt.“ Die Stellungnahme endet mit der Bitte, diesen Prozess mit Respekt und Gebet zu begleiten. Man sei „überzeugt, dass sich unser gemeinsamer Glaube gerade in solchen Situationen bewähren kann und muss.“ Zur Leitung gehören der Vorsitzende von Willow Creek Deutschland, der Geschäftsführer der Stiftung Christliche Medien, Pastor Ulrich Eggers (Cuxhaven), der Leiter des Netzwerks „Marburger Kreis/crossover“, Pfarrer Stefan Pahl (Würzburg), der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Michael Diener (Kassel), sowie Willow-Creek-Geschäftsführer Karl-Heinz Zimmer (Gießen). Willow Creek ist eine 1975 von Bill Hybels gegründete protestantische Gemeinde mit inzwischen etwa 25.000 Besuchern pro Woche. Sie ist wegen ihrer Attraktivität für kirchenferne Menschen international bekannt. Nach ihrem Vorbild arbeiten weltweit etwa 10.000 Gemeinden, die zum internationalen Willow-Creek-Netz zählen. Der 66-jährige Hybels ist seit 1974 mit Lynne verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder.

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