Sonntag • 17. November
Württembergische Landessynode
18. Oktober 2019

Türkische Offensive in Nordsyrien gefährdet auch Christen

Kirchenrat Klaus Rieth während seinem Bericht über Verfolgungssituationen in unterschiedlichen Ländern. Foto: Achim Schmidt/EMH
Kirchenrat Klaus Rieth während seinem Bericht über Verfolgungssituationen in unterschiedlichen Ländern. Foto: Achim Schmidt/EMH

Stuttgart (idea) – Die türkische Militäroffensive in Nordsyrien gefährdet auch die christliche Minderheit in der Region. Das sagte Kirchenrat Klaus Rieth (Stuttgart), Ökumene-Referent der württembergischen Landeskirche, in seinem Bericht über die Situation von verfolgten Christen am 17. Oktober vor der Landessynode in Stuttgart. Während die ersten Flüchtlinge aus Syrien bereits wieder in ihre Heimat zurückkehren wollten, lasse das Vorgehen des türkischen Präsidenten die Sicherheitslage in dem Land erneut kritisch werden.

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In diesem Zusammenhang äußerte sich auch Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) zu der aktuellen Lage. Er sei grundsätzlich skeptisch, wenn Kirchenleiter Beurteilungen der politischen Vorgänge vornähmen. Doch in diesem Fall müsse er laut beklagen, dass sich die NATO nicht viel energischer gegen Erdogans Vorgehen ausgesprochen habe. Schließlich sei das transatlantische Bündnis doch auch eine Wertegemeinschaft.

Marina Walz-Hildenbrand (Stuttgart) von der liberalen „Offenen Kirche“ erinnerte in diesem Zusammenhang an die Flüchtlingskrise in Griechenland, die das Land vollkommen überfordere. Viele Menschen dort müssten Jahre in den Flüchtlingslagern verbringen, da die griechischen Behörden hoffnungslos überlastet seien.

Landesbischof: Es werden keine Hilfsgelder zurückgehalten

Der Landesbischof verwahrte sich gegen den Vorwurf des Synodalen Hans Leitlein (Obersulm bei Heilbronn/Lebendige Gemeinde), der Oberkirchenrat in Stuttgart würde erforderliche finanzielle Mittel zur Unterstützung verfolgter Christen zurückhalten. Das sei nicht der Fall, so July. Die Kirchenleitung müsse grundsätzlich genau prüfen, an wen und in welchem Umfang Zahlungen getätigt würden, um vor Ort zu helfen. Die verwirrende politische Lage in vielen Ländern erfordere, dass die Gelder mit Bedacht und nicht sofort ausgezahlt würden. Nach dem Erdbeben bei Japan vor acht Jahren habe es beispielsweise sechs Jahre gedauert, bis die eine Million Euro, die die Landeskirche zur Verfügung gestellt habe, vollständig verwendet worden sei.

Lebendige Gemeinde: Situation der verfolgten Christen ist erschreckend

Dieter Abrell (Stuttgart), der ab 2020 als Geschäftsführer der theologisch konservativen ChristusBewegung Lebendige Gemeinde amtieren wird, nannte es „erschreckend“, in welch dramatischer Lage Christen in vielen Ländern seien. Er rief die Synode auf, für die verfolgten Glaubensgeschwister zu beten und Gerechtigkeit für sie einzufordern. Die Missstände in den Ländern, in denen Christen bedroht würden, müssten öffentlich angeprangert werden.

Ähnlich äußerte sich sein Fraktionskollege Ulrich Hirsch (Sachsenheim bei Ludwigsburg). Angesichts des Wohlstandes und der Sicherheit, die Christen in Deutschland genössen, könnten sie sich das Elend nicht vorstellen, das viele ihrer Geschwister in anderen Teilen der Welt treffe. Deshalb sei es nötig, in den Gemeinden stärker auf die Situation hinzuweisen, die Kirchenrat Rieth jährlich vor der Synode schildere. Walter Keppler (Neckarsulm bei Heilbronn/ebenfalls Lebendige Gemeinde) warf in diesem Zusammenhang der westlichen Welt eine Mitschuld am Leid vieler Länder vor. Es sei kein Zufall, dass viele Staaten, aus denen Flüchtlinge kämen, von Sanktionen des Westens betroffen seien. Diese Sanktionen träfen vor allem die Bevölkerung, die etwa keine Medikamente oder moderne Geräte mehr erhalte. Das gelte zum Beispiel für Syrien und den Iran. Der Oberkirchenrat solle deshalb versuchen, Einfluss auf verantwortliche Politiker auszuüben, damit sich an dieser Situation etwas ändere.

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