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Sachsen
18. Oktober 2019

Rückhalt für Landesbischof Rentzing wächst

Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing. Foto: idea/kairospress
Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing. Foto: idea/kairospress

Dresden (idea) – Der Rückhalt für den sächsischen Landesbischof Carsten Rentzing (Dresden) wächst. Der Sächsische Gemeinschaftsverband verurteilte in einer Stellungnahme die Angriffe auf den Kirchenleiter.

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Sein Rücktrittsangebot habe die Mitglieder des Gemeinschaftsverbandes „tief erschüttert und stark irritiert“, heißt es in der Erklärung, die am 18. Oktober veröffentlicht wurde. Seit seiner Wahl im Jahr 2015 sei der Landesbischof einer Kritik ausgesetzt, die „auch verstanden werden kann als klare Ablehnung seiner wohlbegründeten theologisch konservativen Position“.

Der Landesbischof stehe für eine evangeliumsgemäße und christuszentrierte Verkündigung. Die Angriffe gegen ihn hätten darüber hinaus eine „bedauerliche politische Dimension“. Rentzing habe sich durch seine Amtsführung herausragende Verdienste um die Einheit der Landeskirche erworben, heißt es weiter in der Erklärung.

Er habe dafür „nicht wenige Male über seine eigenen theologischen Grenzen hinaus Kompromissen zugestimmt, die mit einem konservativen Profil nicht in Deckung zu bringen sind“. Der Sächsische Gemeinschaftsverband erreicht wöchentlich rund 9.000 Personen.

Petition kontra Rentzing mit 1.050 Unterstützern

Der 52-jährige Kirchenleiter hatte am 11. Oktober mitgeteilt, dass er sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung stelle. Vorausgegangen waren Vorwürfe gegen ihn, die sich zum Teil auf Vorgänge vor 30 Jahren beziehen.

Linksorientierte „bekennende Christinnen und Christen in Sachsen“ hatten Ende September eine Online-Petition an Rentzing gerichtet. Darin forderten sie den als theologisch konservativ geltenden Landesbischof auf zu erklären, warum er seit seiner Studentenzeit Mitglied der schlagenden Verbindung „Alte Prager Landsmannschaft Hercynia“ sei.

Er solle sich zudem von einem 2013 gehaltenen Vortrag in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ sowie von „allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien“ distanzieren. Die Petition wurde bis zum 18. Oktober von rund 1.050 Personen unterzeichnet.

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete am 12. Oktober ferner, dass Rentzing zwischen 1989 bis 1992 in der Zeitschrift „Fragmente. Das konservative Kulturmagazin“ Artikel veröffentlicht hatte. In ihnen habe er Verachtung für die liberale Demokratie geäußert und ein völkisches Staatsverständnis vertreten.

Über 13.500 Unterstützer einer Petition pro Rentzing

Über 13.500 Personen haben mittlerweile eine Online-Petition unterzeichnet, die zum Verbleib des Landesbischofs in seinem Amt aufruft. Sie war am 16. Oktober auf der Plattform CitizenGo veröffentlicht worden.

In dem Aufruf an das Landeskirchenamt heißt es, der Landesbischof habe sich nichts zuschulden kommen lassen, „das einen Rücktritt rechtfertigen würde“. Deshalb sei es nötig, ihn gegen den ausgeübten Druck und die gegen ihn begonnene „Schmutzkampagne in Schutz zu nehmen und für seinen Verbleib im Amt einzutreten, damit die Intriganten nicht die Oberhand behalten“.

Unterschriftensammlung und Mahnwache

Parallel dazu läuft eine Unterschriftensammlung für den Verbleib des Landesbischofs im Amt im sächsischen Markneukirchen, wo er von 2010 bis 2015 als Gemeindepfarrer tätig war. Initiator ist der Steuerberater Marcus Jacob, der der Kirchengemeinde angehört. Bisher hätten mindestens 803 Personen den Aufruf unterzeichnet, erklärte er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Rentzing sei in seiner Zeit als Gemeindepfarrer „immer einer gewesen, der geeint hat“ und der keinerlei rechtsextreme Tendenzen habe erkennen lassen. Die Kirchenleitung will am 21. Oktober über Rentzings Rücktrittsgesuch entscheiden.

Eine Gruppe von engagierten Gemeindemitgliedern aus sächsischen Kirchengemeinden hat zu einer Mahnwache unter dem Motto „Für einen Neuanfang mit Landesbischof Rentzing“ aufgerufen, die während der Sitzung vor dem Landeskirchenamt stattfinden soll.

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