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SEK-Präsident
09. Mai 2018

Kampagne gegen Gottfried Locher vor der Wahl?

SEK-Präsident Gottfried Locher im vergangenen Jahr bei der Premiere zu „Rendezvous Bundesplatz“ in Bern. Foto: idea/chb
SEK-Präsident Gottfried Locher im vergangenen Jahr bei der Premiere zu „Rendezvous Bundesplatz“ in Bern. Foto: idea/chb

(idea/chb/rh) - Im Juni möchte sich Gottfried Locher als Präsident des Evangelischen Kirchenbundes (SEK) wiederwählen lassen. Vor der Wahl wird nun Kritik an seiner Person laut. Die Schweizer Ausgabe der „Zeit“ veröffentlichte am 9. Mai einen ganzseitigen Artikel über Locher. Unter der Schlagzeile „Heiliger Schein“ stützt sich die Autorin Aline Wanner unter anderem auf Aussagen des ehemaligen SEK-Geschäftsleiters Philippe Woodtli, der bereits anfangs 2016 beim SEK ausgeschieden ist. Woodtli äussert nun erstmals Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Chef und spricht von „häufigen Auseinandersetzungen“ mit Locher. „Es ging um Kompetenzen, um Spesen, um Geld“, schreibt die „Zeit“.

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Der ehemalige Geschäftsleiter übt Kritik

„Ich habe ihn Ende 2015 darauf aufmerksam gemacht, dass die Spitze des Kirchenbundes spätestens mit der neuen Amtsperiode ab 2019 gemessen an Standards für Non-Profit-Organisationen zu teuer sei“, wird der ehemalige SEK-Geschäftsleiter zitiert. Gemäss Woodtli wurde Lochers Lohn von rund 180.000 auf 220.000 Franken im Jahr erhöht. Zudem habe er eine Spesenpauschale von 10.000 Franken jährlich gehabt und Business-Class fliegen wollen, obwohl das Spesenreglement im Zusammenhang mit Flugbuchungen auf die „sinnvollste und günstigste Variante“ verweist.

#MeToo-Vorwürfe werden aufgewärmt

Im Artikel wird auch Pfarrerin Carla Maurer zitiert. Maurer hatte Locher im vergangen Jahr im Zuge der #MeToo-Debatte vorgeworfen, ihr gegenüber „irritierende“ Aussagen zum Thema Sexualität gemacht zu haben, wobei sie sich „unwohl“ gefühlt habe. Locher sagte dazu Anfang 2018 in der „Schweiz am Wochenende“, Maurers Reaktion habe ihn überrascht. Ihm sei nicht klar gewesen, dass er seine Kollegin vor den Kopf gestossen habe. Er habe sich entschuldigt und sie erneut zu einem Gespräch eingeladen. Maurer kommentierte das nun gegenüber der „Zeit“ so: „Ich möchte die Einladung nicht annehmen, weil ich ihn ja bereits auf seine Positionen angesprochen habe, von denen er nicht abgerückt ist. Er hatte dazu in den vergangenen Jahren mehrmals Gelegenheit.“

Der SEK sieht keine Unregelmässigkeiten

Daniel Reuter, der Vizepräsident des SEK, weist die Vorwürfe auf Nachfrage von ideaSpektrum scharf zurück: „Die kürzlich von einigen Medien publizierten Artikel, welche den Ratspräsidenten im Hinblick auf die Wahlen destabilisieren wollen, verurteilt der Rat. Der persönlichkeitsverletzende Kampagnenjournalismus entbehrt jeglichen Kommentar.“ Bei den Finanzen sieht Reuter keine Unregelmässigkeiten: „Die Sitzungsgelder und Honorare des Rates sind von der Steuerverwaltung des Kantons Bern genehmigt. Die Spesen im In- und Ausland werden gemäss Spesenreglement ausgezahlt. Die Entlöhnungen der SEK-Mitarbeitenden, und damit auch des Präsidenten, bewegen sich in den Lohnbändern, die von der Firma CEPEC für den Standort Bern berechnet wurden.“ Bezüglich der Ausgaben bestehe vollständige Transparenz. Die Rechnung werde der Abgeordnetenversammlung im Juni vorgelegt.

„Der Ruf des Ratspräsidenten soll beschmutzt werden“ 

Zu Carla Maurer meint Reuter, dass sie den SEK-Präsidenten mit ihren Aussagen „bewusst massiv geschadet“ habe. Die Vorwürfe erschienen im Oktober 2017 auf dem reformierten Portal ref.ch in einem Artikel mit dem Titel: „Pfarrerinnen erzählen von sexuellen Übergriffen“. Zwar war Lochers Name damals nicht explizit im Text erwähnt worden, dennoch sieht Reuter den Ratspräsidenten „in seiner Integrität verletzt“. Der Artikel stelle das Gespräch zwischen Locher und Maurer in einen „strafrechtlich relevanten Kontext“. Dass Gottfried Locher von Carla Maurer nie eine persönliche Antwort auf seinen Brief erhalten habe und erst jetzt über „Die Zeit“ indirekt eine Reaktion erfolge, bewertet Reuter als Versuch, „den Ruf des Ratspräsidenten mit allen Mitteln zu beschmutzen“.

 

 

 

 

 

 

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