Sonntag • 26. Januar
Pfarrer Fredy Staub über Markus 9,24
07. Januar 2020

"Heilvoll zweifeln, sinnvoll glauben"

Pfarrer Staub:
Pfarrer Staub: "Unserem Unglauben in die Augen schauen"

Wädenswil (idea) - Die Jahreslosung 2020 deckt Notwendiges auf. Die schlichten Worte "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" aus Markus 9,24 bringen Wesentliches auf den Punkt. Klar, jeder Mensch glaubt etwas. Doch was und wie glauben wir? Und wer steht dazu, dass sein Glaube nicht genügt? Viele haben sich damit arrangiert, dass ihr Glaube kaum eine Verbesserung bringt. Weder in Beziehungen noch in Lebensqualität und auch nicht in Bezug auf erfahrene Lebensfreude. Gott sei Dank haben wir hier eine Passage aus der Bibel, die den Finger genau auf diesen wunden Punkt legt. Es handelt sich um das Ereignis eines Vaters, der einsieht, dass sein Glaube nicht reicht, damit seinem Sohn geholfen wird. Der Grund, warum wir heute diese biblische Überlieferung vor uns haben, könnte darin liegen, uns die Augen für die Bedeutung unseres bisherigen Unglaubens zu öffnen und uns auf eine entscheidende und notwendige Hilfe hinzuweisen.

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Die Chancen des Unglaubens

Warum erleben wir an unseren evangelistischen Events immer wieder, dass sich Leute unterschiedlichen Glaubens ganz Jesus Christus anvertrauen? Weil sie realisieren, dass sie unglücklicherweise viel zu lange in ihrem wenig bedeutungsvollen Glauben verharrt haben und uralten Zweifeln gefolgt sind. Diese Einsicht ist heilsam. Die Jahreslosung 2020 mit der Thematisierung unseres Glaubens macht Mut, unserem Unglauben in die Augen zu schauen und uns über die entsprechenden Auswirkungen ernsthafte Gedanken zu machen. Wird der Mensch bereit, nicht auf seinem Unglauben sitzen bleiben zu wollen, eröffnen sich ihm fantastische Chancen. Insbesondere die Chance, entscheidende Hilfe darin zu finden, sich mit Jesus Christus zu verbinden. Der Mann mit dem Hilferuf "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" hat genau diese Chance realisiert.

Verkehrte Theologie

Die weitverbreitete Theologie des Mittelalters holt uns wieder ein, wenn wir Zweifel verdrängen und uns kräftig Mühe geben, zu glauben. Glauben wird so zu einem Werk, das zur Seligkeit führen soll. Aber Achtung: Die Seligkeit kann ich mir weder erkaufen noch erzwingen. Glauben ist immer Geschenk. Ein Gottesgeschenk. Ein Geschenk, das jedem Menschen zur Verfügung steht. Ein Geschenk, das es gilt, hier und jetzt anzunehmen. Das ist einer der Gründe, weshalb ich die Jahreslosung 2020 so sehr schätze. Sie öffnet Tor und Tür für einen realistischen Blick auf meinen blockierenden Unglauben. Zu meinen, Zweifel seien sinnlos, ist Unsinn. Vergessen wir unseren selbstgebastelten und von uns zurechtgebogenen, von Zweifeln eingeengten Glauben. Lasst uns mutig offen sein, um den von Gott geschenkten Glauben anzunehmen, aufzublühen und sinnvoll zu leben!

Die Bedeutung des Glaubens

Doch was ist das für ein Glaube, der uns Gott schenken möchte? "Ich glaube", so beginnt die Jahreslosung 2020. Das Wort "glauben" ist in der deutschen Sprache ein unzulänglicher Ausdruck. Lesen wir die griechische Ursprache des Neuen Testamentes, stossen wir auf das Wort "pisteuein". Das heisst auch so viel wie "mich jemandem anvertrauen". Dies einfach mit "glauben" zu übersetzen ist nicht sinnvoll. Vielmehr bedeutet es: Ich vertraue mich Gott an, so wie ich mich dem Bus-Chauffeur anvertraue, wenn ich in den Bus einsteige. Es bedeutet nicht, dass ich an Gott glaube, so wie ich glaube, dass es Morgen vielleicht schönes Wetter wird. Vielmehr ist damit eine Beziehung gemeint: "Gott hilft mir. Er kommt auf mich zu und lädt mich ein, bei ihm einzusteigen. Ich gehe darauf ein, pflege eine waschechte Beziehung mit ihm, die aus dem Beschenktwerden heraus zu einem von Glauben, Hoffnung und Liebe erfüllten Leben führt." Schon erlebt? Meine Frau war als Entwicklungshelferin in Zentralafrika tätig. In der einheimischen Sprache nehmen die Menschen dort das Wort "glauben" nie in den Mund. Vielmehr übersetzen sie das biblische Wort, "pisteuein" auf wunderbare Art: "Mit dem Herzen hören". Das ist tausendmal treffender als "glauben". Was denken Sie, wie sähe unsere Welt aus, wenn wir mehr mit dem Herzen hören könnten? Auf Gott. Auf einander. Auf unsere Kritiker.

Lesen Sie den ganzen Beitrag von Pfr. Fredy Staub im Wochenmagazin ideaSpektrum 1/2-2020.

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