Freitag • 25. Mai
Pro und Kontra
08. Mai 2018

Hat der Klingelbeutel noch eine Zukunft?

Wird die Kollekte bald bargeldlos eingesammelt? Foto: pixabay.com
Wird die Kollekte bald bargeldlos eingesammelt? Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Seit 2.000 Jahren gehört die Kollekte zum Gottesdienst. Wie die Urgemeinde sammeln Christen bis heute Geld, um Menschen in Not oder ihre eigene Gemeindearbeit zu unterstützen. In der Regel wird Bargeld gespendet – im Klingelbeutel oder in einem Körbchen. Doch das bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Denn immer mehr Banken verlangen Entgelte dafür, dass sie Münzen annehmen. Können da Kartenzahlung und Spenden-App helfen? Das fragt die Evangelische Nachrichtenagentur idea in einem Pro und Kontra zwei Pfarrer aus dem Großraum Berlin. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz diskutiert derzeit Alternativen zum Kingelbeutel. Es werde ausgelotet, ob Pilotprojekte für das digitale Kollektensammeln entwickelt werden können, teilte die Kirche mit.

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Superintendent: Bargeldloses Spenden ist heute eine Notwendigkeit

Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte, Bertold Höcker, spricht sich für eine bargeldlose Kollekte aus. Sie trage der gesellschaftlichen Veränderung Rechnung. Die Frage, wie die Kollekte eingesammelt wird, sei keine primär theologische, sondern eine praktische Herausforderung: „In einer Gesellschaft, in der das Bargeld an Bedeutung verliert, hat auch die Geldsammlung der Gemeinde darauf zu reagieren, so wie es – ohne den theologischen Sinn zu verfälschen – durch die Jahrtausende immer gewesen ist.“ Eine bargeldlose Spendenmöglichkeit sei heute eine Notwendigkeit. Ob man dazu eine App verwende oder ein Abbuchungsgerät benutze, sei gleichgültig. Höcker: „Die beste Möglichkeit kann mit Versuchen herausgefunden werden.“

Gemeindepfarrer: Ohne Barspende lieber auf die Kollekte verzichten

Anderer Ansicht ist der Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Brück bei Potsdam, Helmut Kautz. Er meint: „Kein Computer sollte wissen, wer wie viel wann und wofür gespendet hat.“ Der Gottesdienstraum sei kein Handelsraum. Kautz: „Hier soll die rechte Hand nicht wissen, was die linke gibt.“ Das gelte umso mehr für den Gemeindecomputer. Kautz geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn es nicht mehr möglich ist, anonym und bar zu spenden, sollte die Kollekte im Gottesdienst abgeschafft werden.“ Es gebe genug andere Möglichkeiten, der Gemeinde Geld zu geben: „Oder haben wir Angst, nicht genug Geld zu bekommen?“ Scharfe Kritik übt er an digital optimierten Kollektenprojekten, wo beispielsweise die Gesichter der Gottesdienstbesucher mit einer Kamera erfasst und ausgewertet werden und der Computer dann abgleicht, für welchen Zweck sie am meisten spenden. Wichtiger als eine voll digitalisierte Kollekte sei ihm das Gottvertrauen.

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