Samstag • 23. Juni
Kirchentag im Zürcher Oberland
13. Juni 2018

"Dreh- und Angelpunkt ist Christus!"

Martin Trüb, Petra Kreuzer, Daniel Stoller-Schai:
Martin Trüb, Petra Kreuzer, Daniel Stoller-Schai: "Wir staunen, wie sich alles zusammen gefügt hat." Foto: idea/rh

Rüti (idea) - Vom 5. bis 8. Juli 2018 findet in Wetzikon ZH ein Kirchentag unter dem Motto "mitenand glaube" statt. Menschen aus 50 Kirchen und drei Bezirken feiern 500 Jahre nach der Reformation ihr Christsein gemeinsam. Insgesamt werden bis zu 5000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Das Programm reicht von hochkarätig besetzten Podien, Vorträgen von Theologen wie Johannes Hartl, Gottfried Locher oder Ralph Kunz zu Kammermusik, Jazzkonzert, jungem Worship und einem Familien-Openair mit Andrew Bond bis zu einem grossen Markt der Kirchen. Für die Konzerte von Gospelproject und Martin Smith müssen Tickets gelöst werden. Alle anderen Anlässe sind frei zugänglich, es wird um eine Kollekte gebeten.

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idea traf sich mit drei Vorstandsmitgliedern des organisierenden Vereins. Martin Trüb ist Jugendarbeiter der Reformierten Kirche Rüti und Geschäftsführer des Kirchentags. Petra Kreuzer ist Religionspädagogin in der Katholischen Pfarrei Hombrechtikon. Im Vorstand des Kirchentags leitet sie das Ressort Gebetsnetz. Daniel Stoller-Schai ist Präsident der Reformierten Kirche Bäretswil und Präsident des Vereins "Aktion Kirchen Züri Oberland".

Vom 5. bis 8. Juli wird der Kirchentag Züri Oberland gefeiert. Wer hat diese Idee angestossen?

Martin Trüb: Das war im Oktober 2014. Eine Gruppe von zehn Personen begann darüber nachzudenken, was man im Blick auf das Reformationsjubiläum tun könnte. Aus den gesammelten Ideen wurde schliesslich -zur Überraschung von uns allen - die Organisation eines Kirchentags ausgewählt. Schon damals waren Reformierte, Katholiken und Freikirchler vertreten. Im Januar 2017 gründeten wir einen Verein als gemeinsames Gefäss.

Gab es nie Opposition oder Zweifel?

Daniel Stoller-Schai: Es gab schon Phasen, die es auszuhalten galt, und auch kritische Stimmen. Es gab solche, die sagten, ein solcher Anlass sei finanziell oder personell nicht zu stemmen; andere meinten, das Programm sei zu evangelikal, wieder anderen war es zu liberal. Die einen vermissten ihren Musikstil oder hielten die Eishalle für den falschen Austragungsort. Heute staune ich, wie sich alles zusammenfügt. Wir haben hervorragende Arbeitsgruppen, immer mehr Helferinnen und Helfer, Menschen, die für den Kirchentag spenden. Es ist etwas ins Rollen gekommen. 50 Kirchen sind dabei. Der Verein mit dem gewählten sechsköpfigen Vorstand funktioniert, Martin Trüb ist Geschäftsführer und koordiniert mit dem Organisationskomitee.

Petra Kreuzer: Wir erleben zum Beispiel, wie nach Gebetsabenden Couverts mit Geld hingelegt werden. Anonym, für den Kirchentag.

Wie steht es mit Helferinnen und Helfern?

Trüb: Wir benötigen ungefähr 150 Personen. Es gibt solche, die für ihren Einsatz eine Woche frei nehmen, andere helfen tageweise oder am Wochenende. Wir haben bis jetzt 80 Prozent der Jobs besetzt.

Kreuzer: Es melden sich auch ganze Hauskreise an, die dann - beispielsweise für einen Nachmittag - eine Arbeit übernehmen.

Eine andere Frage: Wer soll das bezahlen?

Stoller-Schai: Der Kirchentag kostet 400 000 Franken. Daran beteiligen sich die Kirchen, die Spender und Sponsoren und wir haben auch einige Einnahmen.

Wie viele Menschen vertreten die beteiligten Kirchen?

Stoller-Schai: Bei den Reformierten reden wir von 50 000 Personen. Es gibt rund 85 000 Haushaltungen im Züri Oberland.

Sie persönlich sind sehr stark involviert. Was motiviert Sie?

Kreuzer: An diesem erstmalig stattfindenden Grossanlass mitzuwirken, die Zusammenarbeit der verschiedenen Kirchen und die dadurch entstehenden Kontakte.

Trüb: Wenn ich mit Menschen rede, schlägt mir absolutes Unverständnis darüber entgegen, dass die christlichen Kirchen nicht zusammenarbeiten. Das versteht heute niemand mehr! In den letzten 20 Jahren habe ich miterlebt, wie die Kirchen im Oberland begonnen haben, sich zu respektieren. Damit hat sich ein Zeitfenster geöffnet, in dem die verschiedenen Kirchen gemeinsam, als Bekenntnis, Gottesdienst feiern können. Diese Chance dürfen wir auf keinen Fall verpassen!

Stoller-Schai: 500 Jahre nach der Reformation stellen wir die Frage "Was verbindet uns?". Dazu gehen wir aufeinander zu und versammeln uns um die Mitte des christlichen Glaubens. Das stärkt die Wahrnehmung von aussen. In der Zusammenarbeit fragen wir, wo wir uns ergänzen und befruchten können. Die Dialogbereitschaft ist schon im Vorfeld deutlich gewachsen. Mich motiviert es, in diesem Sinne Brücken zu bauen.

Dennoch - in vielen Fragen denken und leben Christinnen und Christen entweder reformiert, katholisch oder freikirchlich. Wie ist die Resonanz in der Bevölkerung, zum Beispiel in der römischkatholischen Kirche?

Kreuzer: Da gibt es Unterschiede. Es gibt sehr Traditionelle, die an ökumenischen Anlässen selten dabei sind. Und es gibt andere - zum Beispiel viele, die in konfessionell gemischten Ehen leben - sie freuen sich auf den Kirchentag.

Trüb: Kürzlich traf ich einen ehemaligen Nachbarn. Ihm habe ich vom Kirchentag erzählt. Seine Antwort war: "Wird langsam Zeit, dass die Kirchen etwas gemeinsam machen!" In der breiten Bevölkerung herrscht Unverständnis über die innerkirchlichen Differenzen und theologischen Unterschiede.

Stoller-Schai: Es gibt schon auch kritische Stimmen, die von falscher Anbiederung an die Katholiken reden. Aber auch Katholiken, die sich als die eigentliche Kirche betrachten. Wir haben an einem Impulsabend drei Vorträge gehört, die das jeweils eigene Kirchenverständnis beschrieben haben. Dabei waren auch selbstkritische Töne in Bezug auf die eigenen Schwächen zu hören. Unser Programm ist breit gefächert. Es beinhaltet auch Podien, die diese Fragen aufgreifen. Die inhaltlichen Unterschiede bestehen, die jeweiligen Stärken und Schwächen auch - aber man ist heute in der Lage, miteinander zu reden und dem anderen zuzuhören.

Trüb: Christus ist der Dreh- und Angelpunkt am Kirchentag. Deshalb ist eine solche Zusammenarbeit möglich. Sie erfordert mutige Schritte aufeinander zu.

Was bringt ein solcher Kirchentag einem frommen Christen, also einem regelmässigen Kirchgänger?

Kreuzer: Es bringt ihm Schub für seinen Glauben.

Trüb: Er erlebt die Breite der christlichen Bewegung im Züri Oberland, die er sonst nicht sieht. Er bekommt die Möglichkeit, Angebote mitzuverfolgen, die er eher weniger gewohnt ist.

Interview: Rolf Höneisen

Das ausführliche Interview wurde im Wochenmagazin ideaSpektrum 24-18 veröffentlicht.

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