Samstag • 23. Juni
idea-Mitgliederversammlung
08. Juni 2018

Die Zukunft der Kirche ist missionarisch

Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. Foto: idea/Hercher
Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. Foto: idea/Hercher

Wetzlar (idea) – Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), hat dazu ermutigt, Mission als alles umfassende Grundhaltung der Kirche zu verstehen. Er äußerte sich bei der Mitgliederversammlung der Evangelischen Nachrichtenagentur idea am 7. Juni in Wetzlar in einem Referat zur Zukunft der Landeskirchen. Die „Missio Dei“ (lat. Mission bzw. Sendung Gottes) sei „die Chance“ für die Kirche. Abromeit zitierte den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber (Berlin): „Zur Zurückhaltung gibt es in der Geschichte der Kirche viele Gründe, zum Missionsverzicht nicht.“

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Die Zeit der Volkskirchen ist vorbei

Abromeit hob hervor, dass Mission sich nicht an Zahlen orientieren dürfe. „Zahlenfetischismus ist Buchstabendienst.“ Er warnte davor, die Zukunft der Kirche ausschließlich negativ zu sehen, aber die Zeit der Volkskirchen sei dennoch unwiederbringlich vorbei: „Wir leben in einer nachvolkskirchlichen Zeit.“ Die finanziellen Bedingungen seien vor dem Hintergrund der guten Konjunktur günstig, dennoch schrumpften fast alle Gemeinden weiterhin. Quantität sei aber auch keine Voraussetzung für den Geist Gottes: „Der Heilige Geist wirkt nicht nur in Gemeinden mit Tausenden Mitgliedern.“ Der Bischof bekannte, dass er sich von den im Jahr 2006 im EKD-Reformpapier „Kirche der Freiheit“ formulierten Forderungen wie „Wachsen gegen den Trend“ zeitweilig habe mitreißen lassen. Problematisch sei, dass man selbst zu stark auf die Zahlen geschaut habe.

Manche Landeskirchen befinden sich im „freien Fall“

Die aktuelle Herausforderung sei es, die „massiven Veränderungsprozesse“ als einen geistlichen Vorgang zu betrachten. Abromeit erläuterte die kirchliche Entwicklung am Beispiel von Pommern. Dort und auch in manchen anderen Landeskirchen befinde sie sich zahlenmäßig teilweise in einem „freien Fall“. 1939, vor dem Zweiten Weltkrieg, hatte die Pommerische Kirchenprovinz – sie reichte damals bis Danzig – rund 1,93 Millionen Mitglieder. 1959 seien es noch rund 700.000 gewesen, heute – bei insgesamt zurückgegangener Bevölkerung – rund 80.000: „Vor dem Zweiten Weltkrieg war fast jeder evangelisch, heute sind es nur noch 16 Prozent. Die Landeskirchen der Zukunft werden sich in die Arme Gottes fallen lassen müssen.“

„Wir haben eine Verkündigungskrise“

In der anschließenden Aussprache sagte Abromeit, dass er in Deutschland eine Verkündigungskrise wahrnehme: „Wir haben engagierte Prediger, von denen aber manche vom Zentrum des christlichen Glaubens – von Jesus – wenig zu sagen wissen.“ Oft werde der Glaube auf einen Schöpfungsglauben reduziert und Gott als Lebensbegleiter beschrieben. Das sei zu kurz gegriffen. Predigten dürften zwar auch politisch sein, „aber wenn man sich die Leidenschaft aus dem Gebiet der Politik borgt und wenn sie nicht mehr aus Christus kommt, ist das der Kern der Verkündigungskrise“.

Stiba: Freikirchen müssen auch über unbequeme Fragen nachdenken

Zweiter Hauptredner bei der idea-Mitgliederversammlung war der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Christoph Stiba (Elstal/Brandenburg). Nach seinen Worten werden die Unterschiede bei den Konfessionen für die meisten Menschen künftig immer unbedeutender. Häufig seien daran nur noch Fachtheologen interessiert. Junge Leute hingegen suchten sich die Gemeinde danach aus, ob sie ihnen gefalle. Er rief ferner dazu auf, das Konkurrenzdenken zwischen den Kirchen weiter abzubauen. Da müssten sich auch die Freikirchen unbequeme Fragen stellen. Es gebe viele freikirchliche Ausbildungsstätten, Seminare und Hochschulen in Deutschland: „Wird dort überall so unterschiedlich gelehrt, dass man nicht auch manches zusammenfassen und ressourcensparend organisieren könnte?“ Er halte die Aussage des früheren Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper (Rom), für richtig, dass die Zukunft nur ökumenisch sein könne: „Es gibt keine Alternative. Wir müssen unsere Kräfte zusammenschmeißen.“

Verkündigung nicht auf „Gott liebt mich“ beschränken

Die Herausforderungen der Freikirchen ähnelten denen der Landeskirchen. Die grundlegenden Strukturen seien zwar anders, aber ihre „Bindekraft“ hätte insgesamt in Deutschland abgenommen, sagte Stiba. Das Basiswissen über die Bibel sei zudem dramatisch gesunken. Er bot den Landeskirchen Unterstützung an, weil die Freikirchen als Minderheitsorganisation bereits Erfahrung hätten: „Wir kennen die Stärken, aber auch die Schwächen des freikirchlichen Modells. Wie auch immer das im Einzelnen gestaltet wird, es ist sicherlich strukturell gesehen das Kirchenmodell der Zukunft.“ Stiba ist im Hauptamt Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden). Wie er berichtete, sind in seiner Freikirche die Mitgliedszahlen stabil. Das liege aber unter anderem daran, dass man bereits jahrzehntelang bestehende internationale Gemeinden aufgenommen habe und dass die Taufzahlen von Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien und dem Iran gestiegen seien. Vorwürfe, dass sich Asylbewerber nur taufen ließen, um ihre Bleibechancen zu erhöhen, wies er als Unterstellung zurück. Stiba: „Das kann ich nicht bestätigen. Wir taufen nach intensiven Glaubenskursen.“ Zum Thema Glaubenskrise äußerte sich Stiba ähnlich wie Abromeit. Sie gebe es auch in den Freikirchen – etwa wenn die Verkündigung auf „Gott liebt mich“ beschränkt werde: „Das ist ein Mangel.“ Die 1970 gegründete Evangelische Nachrichtenagentur idea publiziert Nachrichten und Meinungen vor allem aus der evangelischen Welt. Sie gibt neben ideaSpektrum den ideaPressedienst heraus. Sie ist sowohl im Internet (www.idea.de) als auch im Fernsehen tätig. Die Sendung „ideaHeute“ wird von Montag bis Freitag auf Bibel TV ausgestrahlt. Die ideaGruppe umfasst heute zudem den Kongress Christlicher Führungskräfte und die Medienagentur zeichensetzen.

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