Mittwoch • 24. Februar
Milan Kostrešević präsidiert die AGCK.CH
09. Februar 2021

Als Orthodoxer in der Schweiz

Serbisch-orthodoxe Kirche in Belp BE.  Bild: zvg
Serbisch-orthodoxe Kirche in Belp BE. Bild: zvg

Milan Kostrešević (33) arbeitet für die Serbisch-orthodoxe Kirche in der Schweiz und präsidiert seit dem 1. Januar 2021 die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK.CH in ihrem 50-Jahr-Jubiläum. Ein Blick in ein eher unbekanntes Christentum.

ANZEIGE

Milan Kostrešević, Sie sind Serbe und für zwei Jahre Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen AGCK in der Schweiz. Fühlen Sie sich völlig integriert in der Schweiz?
Ich gebe mir seit meiner Ankunft Mühe, mich gut zu integrieren. Ich verstehe die Dialekte und habe viel über die Geschichte gelernt. In der Anfangszeit machte ich jeden Samstag einen Ausflug und besuchte jeden Kanton.

Gelingt diese Integration auch Ihren Kirchen­mitgliedern?
Einigen schon. Es hängt auch von ihrer beruflichen Tätigkeit ab und ob sie schon in zweiter oder dritter Generation hier sind und vielleicht mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet. Insgesamt scheinen mir die Leute, die ich in der Kirche treffe, gut integriert zu sein.

Was führte Sie 2012 von Bosnien-Herzegowina in die Schweiz?
Ich kam als Doktorand mit einem Stipendium der Schweizer christkatholischen Kirche an die Universität Bern. Die Beziehung zwischen der christkatholischen Kirche der Schweiz und der serbisch-orthodoxen Kirche hat Tradition, sodass viele Serben in Bern Theologie studieren, vor allem als Doktoranden. In den letzten 150 Jahren waren das fast 50 Studierende. Manche führten unsere Kirchen in der Schweiz, andere kehrten auch zurück. Jetzt habe ich meine Doktorarbeit abgeschlossen, nur noch die sogenannte Verteidigung der Arbeit steht bevor.

Was verbindet die serbisch-orthodoxe Kirche speziell mit der christkatholischen Kirche?
Die orthodoxen Kirchen verstanden sich nach dem ersten vatikanischen Konzil gut, als das Unfehlbarkeitsdogma der römisch-katholischen Kirche erlassen und die christkatholische Kirche gegründet wurde. Für die serbisch-orthodoxe Kirche war der Kontakt zur christ­katholischen Fakultät in Bern und die Universität Oxford damals sozusagen ein Fenster in die westliche Welt. Jetzt versammeln sich die serbisch-orthodoxen Kirchgemeinden in der Schweiz an verschiedenen Orten in christ­katholischen Kirchen.

Sie vertreten in der AGCK eine der vier orthodoxen Mitgliedskirchen. Was verbindet Sie mit den anderen Orthodoxen, das Ihnen bei den übrigen Mitglieds-kirchen fehlt?
Die einzelnen orthodoxen Kirchen, die aus der byzantinischen Kirche hervorgegangen sind, verstehen sich als eine orthodoxe Kirche. Man spricht dabei von auto-kephalen, administrativ selbständigen Kirchen. Die gleiche Theologie und auch eine fast identische Liturgie verbinden sie. Hauptunterschied ist die jeweilige Sprache. Zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen, die sich früher in der Geschichte getrennt hatten, gibt es grössere Unterschiede.

Wie hängen diese Kirchen von ihren Mutterkirchen in den Heimatländern ab?
Die zwölf Kirchgemeinden in der Schweiz sind nicht selbständig, sondern gehören zu einem Bistum mit Sitz in Wien und zum Patriarchat in Belgrad. Ein bischöflicher Vikar ist für die Schweiz zuständig. Jede lokale Kirche versteht sich aber als volle Kirche. Dazu braucht es als Elemente den bischöflichen Thron, einen Priester, einen Diakon und das Kirchenvolk.

Aktuell ist der serbisch-orthodoxe Patriarchensitz vakant. Weshalb?
Der Patriarch ist am 20. November gestorben und die ausserordentliche Versammlung der Bischöfe hat noch nicht gewählt. Gewählt werden können übrigens alle Bischöfe, die seit mehr als fünf Jahren eine Diözese führen, und jeder Bischof kann drei Stimmen abgeben. Wenn drei Kandidaten über 50 Prozent Stimmen erhalten, wird einer von ihnen nach einem Gebet durch Losentscheid zum Patriarchen bestimmt. In der Zeit des Kommunismus konnte so der jugoslawische Staat die Wahl nicht bestimmen.

Das vollständige Interview sowie mehr Informationen zur orthodoxen Kirche in der Schweiz und zur AGCK.CK finden Sie im Wochenmagazin IDEA 6.2021.