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Kolumne

Wir leben in einer Kultur der Beschämung!

17.07.2023

Markus Fankhauser
Markus Fankhauser

Seit meiner Jugend bin ich ein grosser Fan von unseren Eishockey- und Fussballnationalteams. Jedes Mal, wenn die Nati ein wichtiges Spiel verliert, bin ich sehr enttäuscht und manchmal auch wütend.

Aber noch viel wütender machen mich gewisse Reaktionen in unserer Bevölkerung und insbesondere in den Medien. Eine gewaltige Wucht an Schande und Häme prasselt da jeweils unbarmherzig auf die Spieler ein.

Obwohl das Team zuvor Weltklasseleistungen erbracht und unser Land mit Leidenschaft und Spielfreude in Entzücken versetzt hatte, werden die Spieler anschliessend als Versager gedemütigt, weil kleine Fehler im entscheidenden Moment zu einem Ausscheiden geführt haben.

Ihnen wird Überheblichkeit vorgeworfen, weil sie ein zuvor gesetztes ambitioniertes Ziel nicht erreicht haben. Hätte sich das Team jedoch ein tiefes Ziel gesetzt, würde ihnen mangelnder Siegeswille und Ängstlichkeit vorgeworfen. Diese negative Haltung, die ich längst nicht nur im Sport beobachte, empfinde ich als zutiefst schädlich für unsere Gesellschaft.

Wir sollten uns alle darüber Gedanken machen, ob wir eine solche Kultur der Beschämung und der Versagensangst erhalten wollen. Oder ob wir nicht lieber zu einer Kultur der Ermutigung und Barmherzigkeit beitragen, in der man nach Niederlagen aufgebaut statt zu Boden getrampelt wird.

Nicht nur die Spieler, die unten auf dem Platz stehen, tragen eine Verantwortung. Auch wir tragen eine Verantwortung, nämlich für ein lebensförderndes Zusammenleben.

Und ich frage mich eines ernsthaft: Könnte es nicht sogar sein, dass gerade diese Kultur der Beschämung bei unseren Spielern manchmal zu einer Blockade und zum Scheitern in entscheidenden Momenten führt?

Markus Fankhauser ist Jurist. Er lebt seit seiner Geburt mit einer schweren Muskelbehinderung.

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