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Kolumne

Was macht Kirchen relevant?

14.06.2022

Daniel Rehfeld
Daniel Rehfeld

Eine ganze Seite widmete die renommierte Neue Zürcher Zeitung vergangene Woche den Schweizer Kirchen beziehungsweise deren Existenz­berechtigung. „Auf die Kirchen können wir (noch) nicht verzichten“, so ist die Analyse des Religionsredaktors Simon Heli überschrieben. Uff, nochmals gut gegangen, dachte ich im ersten Moment. Wobei das störende Wörtchen „noch“ suggeriert, dass der Autor fest mit dem Ablaufdatum für die staatlich anerkannten Landeskirchen rechnet. Was danach folgt, ist eine Auflistung der seit Jahren bekannten Indizien. Die Kirchenglocken verstummen, und kaum einer scheint sie zu vermissen. Die Menschen kehren der Kirche den Rücken, die Kirche ihrerseits erreicht die Gesellschaft nicht mehr. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht zu sein. Dennoch bricht der Autor eine Lanze für die Kirche und warnt davor, sie vorschnell aus den staatlichen Privilegien zu entlassen. Er wiederholt dabei die These, die die ehemalige Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker bereits vor Jahren prägte: „Der Staat kann nicht alles, er kann Gerechtigkeit schaffen, aber er kann nicht lieben.“ Ein Satz, der auch den verstorbenen Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber beflügelte. Im Kommentar der NZZ tönt das so: „Der Sozialstaat sorgt zwar für die materiellen Grundbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger. Doch die Überweisung des Arbeitslosengeldes oder der AHV kann nicht die zwischenmenschliche Wärme ersetzen, wie sie viele Menschen von den Kirchen bekommen.“ Aus diesem Grund ist der Autor der Ansicht, ein Abgesang auf die Kirche sei verfrüht.

So sehr ich mich über die Wertschätzung für die geleistete Arbeit der Kirchen freue und über die Tatsache, dass diese Arbeit offensichtlich auch wahrgenommen wird, so unwohl wird mir beim Gedanken, dass dies künftig der einzige Grund sein könnte, der die Kirche relevant macht. Verstehen Sie mich nicht falsch. Die Nächstenliebe ist das grösste Gebot. Aber es geht auch – oder vor allem – darum, das Rettungs­angebot Gottes zu formulieren und die gute Nachricht von der Liebe Gottes in die Welt zu tragen. Und damit verbunden auch Werte zu prägen. Im Römerbrief gibt es dazu eine interessante Chronologie:  „Den Herrn anrufen kann man nur, wenn man an ihn glaubt. An ihn glauben kann man nur, wenn man von ihm gehört hat. Von ihm hören kann man nur, wenn jemand da ist, der die Botschaft von ihm verkündet.“ (Röm 10,14 NGÜ)

Dieser Vers bringt auf den Punkt, was die Hauptaufgabe der Kirche ist. Ein soziales Engagement ist selbstverständlich inbegriffen. 

Daniel Rehfeld, Chefredaktor

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