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Menschenrechte

Warum verlässliche Zahlen zu verfolgten Christen wichtig sind

16.11.2021

Der Religions- und Missionswissenschaftler Prof. Christof Sauer. Foto: IDEA/ Daniela Städter
Der Religions- und Missionswissenschaftler Prof. Christof Sauer. Foto: IDEA/ Daniela Städter

Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Laut dem Religions- und Missionswissenschaftler Prof. Christof Sauer (Gießen) ist es notwendig, verlässliche Angaben über die Zahl verfolgter Christen zu erheben. Wenn man wisse, wie viele Christen in den einzelnen Ländern bedroht seien, könnten die Hilfswerke ihre begrenzten Ressourcen effizienter zu deren Unterstützung einsetzen, sagte er auf dem siebten ökumenischen Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Er wird veranstaltet vom Christlichen Gästezentrum Schönblick (Schwäbisch Gmünd) und der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit rund 40 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Sauer zufolge kommt es nicht nur darauf an, in welchen Ländern Christen unter besonders starken Einschränkungen lebten, sondern auch darauf, wie viele im jeweiligen Land betroffen seien. „Sonst besteht die Gefahr, dass man sein Augenmerk vor allem auf Länder wie die Malediven richtet, wo es tatsächlich nur ganz wenige Christen gibt.“ In Ägypten könnten Christen dagegen zwar theoretisch ihren Glauben frei leben, aber faktisch unterlägen sie zahlreichen Diskriminierungen. Davon seien aber viel mehr Menschen betroffen als in Staaten mit nur wenigen Christen.

Armenien: Die älteste Kirche der Welt nicht vergessen

Der Gründer des geistlichen Zentrums „Father’s House for all Nations“ (Vaterhaus für alle Nationen), Fadi Krikor (Grafing bei München), warb um Verständnis für die Lage der armenischen Kirche. Der von den Türken 1915 begangene Massenmord belaste das armenische Volk bis heute, so Krikor, der selbst Sohn eines Armeniers ist.

Zum Hintergrund: Im islamischen Osmanischen Reich waren während des Ersten Weltkriegs bis zu 1,5 Millionen Armenier ermordet worden. Besonders bitter sei für die armenischen Christen der Eindruck, dass die Kirchen in anderen Ländern keinen Anteil an ihrem Leid nähmen. „Viele armenische Christen denken, dass die weltweite Kirche sie vergessen hat.“ Dabei sei die armenische Kirche die älteste der Welt. Hier müsse ein Umdenken auch in Deutschland und Europa einsetzen. Die armenischen Christen müssten erfahren, dass man an sie denke und für sie bete. Erst dann könne die „armenische Seele“ heilen. Das sei die Voraussetzung dafür, dass die Armenier wiederum den Türken vergeben könnten.

Indien: Christen sind stark benachteiligt

Die Leiterin der Rechtsabteilung in Asien für ADF International (Allianz zur Verteidigung der Freiheit), Tehmina Arora, wies auf die regelmäßigen Übergriffe gegen die christliche Minderheit in Indien hin. In neun Bundesstaaten Indiens gebe es Gesetze, die den Glaubenswechsel erschwerten. Außerdem nutzten die Behörden häufig den Vorwurf von Zwangsbekehrungen, um die Ausbreitung des Christentums aufzuhalten. Arora berichtete unter anderem von Nonnen, die festgenommen worden seien, weil man in ihrer Begleitung junge Frauen ohne Ordenstracht angetroffen habe. Der Vorwurf habe gelautet, dass die Nonnen diese Frauen dazu hätten zwingen wollen, zum Christentum überzutreten.

Religiöse Minderheiten würden in Indien auch wirtschaftlich benachteiligt. Nachdem Indien 1947 unabhängig geworden sei, habe man 1949 das 4.000 Jahre alte Kastensystem der Hindus durch die Verfassung abgeschafft. Die auf der untersten Stufe stehenden sogenannten „Unberührbaren“, die Dalits, seien allerdings nach wie vor diskriminiert worden. Deshalb habe die Regierung den Dalits soziale Privilegien wie Bildung und Arbeit sowie einen besonderen gesetzlichen Schutz gewährt. Christen und Muslime seien davon jedoch bis heute ausgeschlossen.

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