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Unruhe vor einer Tagung von „Kirche und Corona“

08.06.2021

Darf der Staat in die Gottesdienstordnung eingreifen?
Darf der Staat in die Gottesdienstordnung eingreifen?

(IDEA) – Im Frühjahr 2020 waren Gottesdienste im Zusammenhang mit dem Versammlungsverbot in der Schweiz untersagt. Die Corona-Pandemie wurde für die Kirchen zu einer besonderen Herausforderung. Im Netzwerk „Kirche und Corona“ sammeln sich Theologen, welche die staatlichen Corona-Massnahmen kritisch diskutieren. Unter ihnen sind manche, die in der Evangelischen Kirche verortet sind. Am 12. Juni treffen sie sich in Hinwil ZH zu einer Tagung. Wie das Programm zeigt, stellen sie sich mitunter die Frage, wo und wann der Fall für zivilen Ungehorsam eintreten könnte, um ihrer Meinung nach Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.  

Aufruf zu zivilem Ungehorsam

Gemäss Programmhinweis will Stefan Felber, derzeit Dozent für Altes Testament am Theologischen Seminar St. Chrischona und künftig Leiter des Gemeindehilfsbundes (DE-Waldsrode) in seinem Referat aufzeigen, „wie sich der Staat die Kirchen unterwirft“. Auf dem Internetportal des Gemeindehilfsbundes ist ein Vortrag von Felber abgedruckt. Darin fragt er: „Wann merken wenigstens die Christen, dass man dem Staat nicht einfach vertrauen kann?“ Viele Beispiele zeigten, dass die Versammlungs-, Demonstrations-, Bewegungs- und vor allem die Religionsfreiheit nicht mehr uneingeschränkt gegeben sei. Für den Theologen Felber ist klar: „Entschlossener und gemeinsam durchgehaltener Widerstand an den Stellen, an denen der Staat mit Zwangsmassnahmen den Gottesdienst regulieren will, ist geboten.“ Die Gemeinde müsse in ihrem Gottesdienst frei bleiben, sonst sei es „mit der Freiheit überhaupt vorbei“. Felber überlegt offen, welche Bestimmungen nicht eingehalten werden sollen. Er nennt Teilnehmerregistrierung, Teilnehmerzahlbeschränkung, Einschränkung des Singens.

Ruedi Josuran steigt aus

Weitere Tagungs-Referenten neben Pfr. Dr. Stefan Felber sind Pfarrer Willi Honegger, evangelisch-reformierte Kirche Bauma, Dr. med. Andreas Zurbuchen, Pfr. Dr. Jürg H. Buchegger, Pfarrer, Prorektor STH Basel, Prof. Dr. Benjamin Kilchör, STH Basel. Am Ende der Tagung ist ein Podium mit allen Referenten geplant. Als Moderator steht Ruedi Josuran, bekannt von „Fenster zum Sonntag“, auf dem Programm. Doch am 7. Juni meldete das Netzwerk „Kirche und Corona“ via den Nachrichtendienst Telegram, Josuran komme nicht. ERF Medien habe die Gesprächsleitung durch Ruedi Josuran abgesagt. In der Begründung heisst es, die Voraussetzung für den Einsatz eines Mitarbeiters von ERF Medien sei nicht gegeben, weil das Konferenzthema nicht kontrovers diskutiert werde, Zitat: „(…) die wichtigsten, sich unterscheidenden inhaltlichen Positionen zum Thema ‚Kirche und Corona‘ sind nicht auf dem Panel vertreten.“

„Die Stossrichtung war immer klar“

Für die kurzfristige Absage von Moderator Josuran zeigt das Netzwerk „Kirche und Corona“ Unverständnis. Man habe von Anfang an transparent über die Stossrichtung der Tagung informiert: „Es war nie eine kontroverse Tagung mit Pro und Kontra zu einer bestimmten Fragestellung vorgesehen.“ Dies gehe aus den Referatsthemen hervor. Es würden nicht verschiedene Standpunkte zu einer Frage beleuchtet, sondern „verschiedene Fragestellungen thematisiert“. Entsprechend gehe es auch beim Podium nicht um ein Pro und Kontra, sondern – so schreibt das Netzwerk – „um ein konstruktives Nachdenken und einen Austausch über die verschiedenen Fragestellungen unter Einbezug von Publikumsfragen.“ Es gebe auch Raum, unterschiedliche Positionen zum Thema „Kirche und Corona“ zu artikulieren.

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