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Kolumne

Spontane Planänderungen

25.02.2022

Markus Fankhauser
Markus Fankhauser

Mein Leben im Rollstuhl ist geprägt von sehr viel Organisation und Koordination. Wenn ich an einem bestimmten Tag einen Termin geplant habe, beginne ich oft Wochen im Voraus mit den ersten Planungen. Ich benötige unter anderem eine passende Betreuungsperson vor Ort, einen Fahrdienst und eine barrierefreie Zugverbindung. Es sind viele kleine Details, die alle fein aufeinander abgestimmt werden müssen. Schon diese Vorbereitungen nehmen einige Zeit und Energie in Anspruch.

Noch herausfordernder wird es, wenn mein durchgeplantes System durch unvorhergesehene Ereignisse ins Wanken gebracht wird. Eine Begleitperson sagt mir kurzfristig ab; ein Kollege, mit dem ich mich verabredet habe, möchte das Treffen um eine Stunde nach hinten schieben, weil er noch dringend etwas erledigen möchte; eine Veranstaltung wird kurzerhand an einen anderen Ort verlegt. Solche spontanen Änderungen bringen dieses labile Gebilde namens „Alltagsleben mit Behinderung“ rasch in Schieflage.

Früher liess ich mich durch solche unangenehmen Umwälzungen oftmals aus der Ruhe bringen. Vor allem nervte ich mich an jenen Menschen, die diese Planänderungen verursachten, ohne sich scheinbar Gedanken dabei zu machen. Warum verstehen diese Menschen bloss nicht, wie herausfordernd spontane organisatorische Änderungen für mich sind?

Gott hat mir diesbezüglich inzwischen viel mehr Gelassenheit geschenkt. So fällt es mir heute bedeutend leichter, nachsichtig mit Menschen zu sein, die mein Programm – ohne böse Absichten – durcheinanderbringen.

Mir wurde aber auch wichtig, mein Umfeld für meine organisatorischen Herausforderungen zu sensibilisieren. Vielen wird erst danach bewusst, wie komplex mein Alltag ist.

Markus Fankhauser ist 30 Jahre alt, Jurist und lebt seit seiner Geburt mit einer schweren Muskelbehinderung.

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