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Kolumne

Sozialkompetenz

13.06.2022

Christoph Gysel
Christoph Gysel

Da werde ich Zeuge, wie ein Arzt einem Patienten eine schlimme Diagnose übermittelt. Bei meinem Zimmerkollegen im Spital kam das an wie ein Todesurteil in zwei Sätzen. Klar, der Arzt war jung. Überfordert. Getraute sich nicht, dem Betroffenen in die Augen zu schauen. Mangelnde Sozialkompetenz. Eine Pflegefachfrau machte es später besser. Sie nahm sich Zeit und setzte sich zum Patienten. Hörte geduldig zu. Hielt seine Hand. Sozialkompetenz.

Menschen mit hoher Sozialkompetenz verstehen andere Menschen. Können sich hineinfühlen. Wissen, was Menschen motiviert, und schaffen es, gewinnend zu überzeugen. Sie kommunizieren mit Einfühlungsvermögen. Sind voller Wertschätzung und Empathie.

Vielleicht hilft das erwähnte Beispiel des Arztes und der Pflegefachfrau zu verstehen, worum es bei Sozialkompetenz geht. Es kann hoffentlich den Wunsch entfachen, sie zu entfalten. Fast jeder Mensch ist auf einem Gebiet Fachperson. Ein Spezialist. Man hat studiert, gelernt und viel Zeit investiert dafür. Das Erlernen eines guten menschlichen Miteinanders blieb dabei allenfalls auf der Strecke. Doch ist es nie zu spät, zu lernen. In einem Interview des Walliser Boten mit einer
96-jährigen Frau äusserte diese den Wunsch, an einem Abend zu sterben. Denn so hätte sie noch die Möglichkeit, tagsüber etwas zu lernen.

Mit Hilfe von Gott, dem Urheber von Liebe, Freundlichkeit und Geduld, kann ich meine Sozialkompetenz verbessern. Ich möchte nicht bloss fachlich kompetent sein. Nein, ich möchte ein empathischer Mensch sein.

Der weise Salomo wies schon darauf hin: „Wer freundlich zu andern ist, hilft sich selbst damit.“ (Sprüche 11,17)

Christoph Gysel ist Tourismuspfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche des Wallis und Präsident von Saas-Fee/Saastal Tourismus.

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