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Kolumne

Seid wachsam!

20.07.2021

Rolf Höneisen
Rolf Höneisen

Liebe Leserin, lieber Leser, die Schweiz ist kein Land der Trockenheit und Wirbelstürme. Auch nicht der Kriege und korrupten Regierungen. Trotzdem sind wir keine Insel der Glückseligkeit auf einem Planeten voller Chaos. Das Corona-Virus kam und kratzt seither an unserem Gefühl, frei zu sein. Und jetzt das Sturmwetter.  Starkregen lassen Bäche, Flüsse und Seen über die Ufer treten. Braune Wassermassen reissen mit, was im Weg steht. In Schockstarre schauen wir zu. Unser Gefühl, sicher zu sein, schwimmt uns davon.

In mir steigen die Ereignisse vom 14. Juni 2015 hoch. Am Abend setzte Regen ein. Mit XXL-Tropfen. Innerhalb von Stunden regnete es so viel wie sonst im ganzen Monat. Zwei Bäche – seit Jahrzehnten nur Rinnsale oder wochenlang ganz trocken – verwandelten sich in tobende, tosende braune Ungeheuer. Gefährlich mit Steinen und Holz gespickte Wasserwalzen suchten sich ihren eigenen Weg. Ein Ausläufer näherte sich unserer Haustür. Das damit verbundene Gefühl steckt mir bis heute in den Knochen. Aber genauso die Erfahrung, Schutz und Hilfe bekommen zu haben. Von Gott zuerst und dann von Menschen.

Bilder aus Deutschland machen fassungslos. Menschen ertrinken in den Fluten, werden vermisst. Ein Dorf in der Eifel wird zerstört. Es trägt den Namen Schuld – ausgerechnet! Im Dorf Schuld werden nicht nur die Keller überflutet; viele Häuser stürzen ganz ein. Auch der Ort Erftstadt wird vom Wasser niedergewalzt. Die NZZ schreibt vom „Höllenschlund von Erftstadt“. Die Flut zerreisst die Landschaft, pflügt sie um, zieht neue Täler. Die Menschen ahnten das Unheil nicht. Viele Medien greifen zur Metapher der Sintflut. Der „Spiegel“ fragt: „Was sind die Lehren dieser Sintflut?“

Eine gute Frage. Die Überschwemmung in unserem Dorf damals löste eine noch nie dagewesene Welle der Solidarität aus. Man tat sich zusammen, half sich gegenseitig beim Aufräumen. Privatpersonen sammelten Spenden für besonders schwer Geschädigte. Sechs Jahre später sagte mir ein Dorfbewohner: „Man darf es ja nicht laut sagen, aber die Wochen der Solidarität und Nachbarschaftshilfe waren nur eine Folge der Überschwemmung. Es gibt sie schon lange nicht mehr.“ Lehren ziehen geht anders. Doch – die beiden Bäche wurden etwas tiefer gegraben und Auffangbecken gemauert.

Medien erinnern uns an die Sintflut. Die grosse Flut hat das Antlitz der Erde damals komplett verändert. Nur wenige Menschen waren vorbereitet und überlebten. Ebenfalls an die Sintflut erinnert uns Jesus Christus  (vgl. Matthäus 24,37-44). Mit Blick auf sein zweites Kommen sagt er: „Seid wachsam, haltet euch bereit!“

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