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Krieg gegen die Ukraine hat auch eine „religiöse Dimension“

06.04.2022

Dr. Regina Elsner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin. Foto: Annette Riedl
Dr. Regina Elsner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin. Foto: Annette Riedl

Berlin (IDEA) – Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat auch eine „bedeutsame religiöse Dimension“. Diese Ansicht vertritt die katholische Theologin Regina Elsner in einer Analyse für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (Berlin). Elsner ist seit September 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin.

Wie sie schreibt, gehört es zur russischen Kriegspropaganda, mit dem Krieg in der Ukraine auch Gläubige der orthodoxen Kirche schützen zu wollen. Diese Propaganda sei auch von der Russischen Orthodoxen Kirche unterstützt worden.

Zum Hintergrund: In der Ukraine gibt es zwei orthodoxe Kirchen: die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK) und die eigenständige Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU).

Laut Elsner kam es zu keinem Zeitpunkt zu einer staatlichen Verfolgung der einen oder anderen Religionsgemeinschaft oder zur Bildung einer Staatskirche. Die gesellschaftlichen Spannungen zwischen den Kirchen hätten nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim und der Unterstützung der sogenannten Separatisten im Osten der Ukraine 2014 rasant zugenommen. Das Moskauer Patriarchat habe sich nie von diesen Verletzungen der souveränen Grenzen der Ukraine durch den russischen Staat distanziert.

Putin und Kyrill lehnen Selbstständigkeit der ukrainischen Orthodoxie ab

Der russische Präsident Wladimir Putin habe in seiner Rede vom 21. Februar, drei Tage vor dem Einmarsch in die Ukraine, „sehr bewusst die angebliche staatliche Verfolgung von Gläubigen der UOK als Teil seiner Propaganda“ eingesetzt. Das Argument folge derselben Logik wie die Rede vom „Genozid“ an der russischsprachigen Bevölkerung und der Plan einer „Entnazifizierung“der Ukraine. Nach dieser Propaganda-Erzählung herrschten in der Ukraine nationalistische Gruppierungen, die besonders den Osten des Landes unterdrückten und gezielt alles Russische vernichten wollten.

Die Kirche des Moskauer Patriarchats werde als Teil dieses genuin „Russischen“ verstanden, was in sich bereits auf eine problematische Bindung der Kirche an ein nationales Selbstverständnis hinweise. Putin und der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill verneinten sowohl die Selbstständigkeit der Ukraine als Nation und souveräner Staat als auch der ukrainischen Orthodoxie als Kirche mit einer eigenen – ukrainischen – Identität.

Angebliche Verfolgung stützte sich auf Berichte der UOK

Das Argument Putins und der Russischen Orthodoxen Kirche, dass in der Ukraine orthodoxe Gläubige geschützt werden müssten, habe sich maßgeblich auf Berichte der UOK gestützt. Elsner: „Die blinde Zerstörungswut der russischen Armee und das Ignorieren der Opfer in der Ukraine als Opfer der russischen Armee ist das stärkste Argument gegen den Geltungsanspruch des ‚Schutzes verfolgter Christen‘.“

Die Theologin erinnert daran, dass die russisch-orthodoxe Kirche bereits die Intervention Russlands in Syrien als „heiligen Kampf“ legitimiert habe. Diese Kirche betone in ihren Berichten zur Verfolgung von Christen seit vielen Jahren, dass auch die liberale Kultur des Westens eine Bedrohung für Christen darstelle, die sie in Gemeinschaft mit anderen traditionellen Religionen abwehren müsse.

Laut Elsner ist die Verfolgung von Religionsgemeinschaften ein ernst zu nehmendes Problem in verschiedenen Teilen der Welt. Es sei jedoch kaum auf die ideologische Strategie der russisch-orthodoxen Kirche im Sinne eines Kulturkampfes zu reduzieren. „Der Krieg in der Ukraine macht deutlich, welche fatalen Folgen dieser angebliche Schutz durch die ideologische Verknüpfung mit der russischen Armee haben kann.“

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