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Menschenrechte

Kolumbien: Die Verfolgung von Christen nimmt zu

08.06.2021

Besuch bei den Dörfern der Versöhnung in Palermo. 2.v.l. sitzend: Lacides Hernandez, 2. v.r hinten: Tobias Merckle. Foto: Seehaus e.V.
Besuch bei den Dörfern der Versöhnung in Palermo. 2.v.l. sitzend: Lacides Hernandez, 2. v.r hinten: Tobias Merckle. Foto: Seehaus e.V.

Bogotá/Medellín (IDEA) – Christen in Kolumbien sind zunehmend Anfeindungen und gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Das berichtete das christliche Hilfswerk „Fundacion Vision Agape“ (Bogotá) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Wer die christliche Botschaft als wahr betrachte und sie mit anderen teile, stoße auf wachsenden Gegenwind. Gleiches gelte für diejenigen, die sich aus Glaubensgründen rechtswidrigen Geschäften verweigerten, missionierten oder ihr Leben nach biblischen Prinzipien ausrichteten.

Das Hilfswerk benennt vor allem zwei Ursachen für die zunehmende Christenverfolgung. Zum einen habe die Zahl von bewaffneten Banden und Gruppierungen zugenommen, die um die Herrschaft über einzelne Gebiete kämpften. Auf der anderen Seite entferne sich Kolumbien zunehmend vom „historisch verankerten katholischen Glauben“ und verwehre sich dem Einfluss des Evangeliums, das als „einengend und unterdrückend“ empfunden werde. Außerdem sei eine wachsende Öffnung für religiöse Praktiken – insbesondere aus dem animistischen und hinduistischen Spektrum – erkennbar.

Christen zwischen den Fronten

Aufgrund der anhaltenden Proteste gegen die konservative Regierung gerieten die Kirchen zunehmend zwischen die Fronten des eskalierenden Konflikts. Die Christen verträten hierbei keine einheitliche Position. Viele sähen in den Demonstrationen eine ehrliche Äußerung des eigenen Unmuts über die aktuelle Situation im Land und eine Möglichkeit, die Unzufriedenheit mit den traditionellen Parteien zu zeigen. Von ihnen höre man jedoch leider keinen Kommentar zu den Ausschreitungen der Demonstranten, die plünderten, Polizisten ermordeten, U-Bahn- und Busstationen sowie Gebäude beschädigten, Straßen blockierten und Autos anzündeten.

Der Präsident der christlichen Gefangenenhilfsorganisation „Confraternidad Carcelaria de Colombia“ (CCC), Pastor Lácides Hernández (Medellín), wies gegenüber IDEA darauf hin, dass es auch Christen gebe, die sich mit rechten oder rechtsextremen Bewegungen identifizierten. Sie riefen zwar die Regierung dazu auf, eine diplomatische Lösung des Konflikts zu finden, verurteilten jedoch weder den Machtmissbrauch noch das „brutale Vorgehen“ gegen Demonstranten.

Eine dritte Gruppe stehe zwischen beiden Extremen und nehme eine „unparteiische Haltung“ ein. Dazu zählten sich auch die Mitglieder der CCC. Dieser Teil der Christen verurteile sowohl ungerechte Gesetze als auch den „Einsatz von Polizeigewalt“, durch den Menschen gestorben seien. Man distanziere sich aber in gleichem Maß von Vandalismus und „gesetzesfernen Gruppen, die sich hinter den friedlichen Protesten verstecken und diese nutzen, um zu rauben, zu töten und zu zerstören.“

Corona trifft auch die Häftlinge

Die Pandemie habe allen in Kolumbien einen schweren Schlag versetzt, so Hernández weiter. Die jüngsten Demonstrationen hätten ihren Teil dazu beigetragen, die Situation zu verschlimmern. Das Gesundheitssystem habe zwischenzeitlich kurz vor dem Kollaps gestanden. In einigen Städten wie Bogotá, Medellín und Cali hätten die Quarantäneregeln daraufhin verschärft werden müssen. Er wisse auch von Pastoren, Leitern und Gemeindemitgliedern, die an Covid-19 gestorben seien. Auch seine Organisation habe mehrere Mitarbeiter verloren. Die Pandemie sei zurzeit jedoch unter Kontrolle.

Die CCC leiste Hilfe zur Eindämmung des Virus in Gefängnissen. In Kolumbien war nach einem rund 50 Jahre währenden Bürgerkrieg 2016 ein Waffenstillstand zwischen Regierung und bewaffneten marxistischen Rebellen geschlossen worden. In dem Konflikt kamen mehr als 200.000 Menschen ums Leben, über sieben Millionen wurden vertrieben. Von den rund 50 Millionen Einwohnern sind nach Schätzungen 73 Prozent Katholiken, 14 Prozent Protestanten und elf Prozent Atheisten oder Agnostiker.

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