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Köln: Muezzine rufen künftig zum Freitagsgebet

11.10.2021

Die DITIB-Zentralmoschee in Köln. Hier soll der Muezzin künftig zum Freitagsgebet rufen. Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Die DITIB-Zentralmoschee in Köln. Hier soll der Muezzin künftig zum Freitagsgebet rufen. Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Köln (IDEA) – In Köln dürfen Muezzine künftig zum Freitagsgebet rufen. Die Stadt kündigte ein entsprechendes Modellprojekt an. Die Stadtverwaltung Köln begründete den Schritt auch damit, dass in der Domstadt Glocken Christen zum Gebet riefen. Der Muezzinruf sei bei Muslimen das Pendant dazu.

Wie es heißt, können Moscheegemeinden auf Antrag und unter Auflagen ihre Gläubigen zum Freitagsgebet rufen. Der Gebetsruf dürfe von 12 bis 15 Uhr und maximal fünf Minuten lang erfolgen. Die Lautstärke werde abhängig von der Lage der Moschee mit einer Höchstgrenze festgelegt. Die umliegende Nachbarschaft sei im Vorfeld mit einem Faltblatt über den Gebetsruf zu informieren.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) begrüßte das Projekt. Den Muezzinruf zu erlauben, sei ein Zeichen des Respekts, schrieb sie auf Twitter. Nach zwei Jahren wollen die Stadt und die beteiligten Moscheegemeinden ihre Erfahrungen auswerten und dann entscheiden, ob das Projekt fortgesetzt wird.

Kritik von einer Islam-Expertin

Kritik an dem Projekt übt die Soziologin und Islam-Expertin Necla Kelek: „Wenn Allahu Akbar (Gott ist am größten/d. Red.) gerufen wird, kommen Männer zusammen. Die Männer, die ihre Frauen zu Hause haben“, sagte sie „Bild“. Diese Frauen dürften laut ihren Männern keinen Platz in der Öffentlichkeit haben – „daher auch das Kopftuch, falls sie sich in der Öffentlichkeit bewegen sollten“. Kelek zeigte sich betroffen darüber, dass ausgerechnet eine Frau als Oberbürgermeisterin diesen Männern bestätige, dass dieses Gesellschaftsbild in Ordnung sei.

Mansour: Es geht um eine Machtdemonstration

Zuvor hatte bereits der Integrationsexperte Ahmad Mansour die Entscheidung scharf kritisiert: „Es geht nicht um ,Religionsfreiheit‘ oder ‚Vielfalt‘, wie Bürgermeisterin Reker behauptet. Die Betreiber der Moscheen wollen Sichtbarkeit. Sie feiern den Muezzin als Machtdemonstration über ihre Viertel.“ In Köln leben rund 120.000 Muslime, und es gibt 45 Moscheen.

Ein Anfrage zu dem Modellprojekt der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA beim Erzbistum Köln wurde abschlägig beurteilt: „Seitens des Erzbistums Köln ist derzeit keine Stellungnahme dazu geplant.“ Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der Domstadt reagierte am 11. Oktober nicht auf eine IDEA-Anfrage.

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