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Glaube

Ist der Schöpfer gut?

09.11.2021

Scherer: „Es gibt eine Kehrseite.“ Foto: zvg
Scherer: „Es gibt eine Kehrseite.“ Foto: zvg

Riehen (IDEA/id) - Wie lässt sich die Allmacht Gottes mit der Existenz des Bösen vereinbaren? Der hybrid durchgeführte Studientag vom 30. Oktober an der STH Basel setzte sich mit der Theodizee-Frage auseinander: Ist der Schöpfer gut? Was ist mit Viren, Parasiten und Raubtieren? Auf diese Frage ging Prof. Dr. Siegfried Scherer ein. Der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der TU München ist seit drei Jahren Gastprofessor im Bereich Apologetik, Fachbereich Philosophie, Religions- und Missionswissenschaften an der STH Basel.

Natürliches Nebeneinander von Schönheit und Grausamkeit

Mit viel Bildmaterial zeigte Siegfried Scherer eindrücklich, wie die Natur bereits auf der Mikroebene hochdifferenziert eingerichtet ist. Doch es gibt eine Kehrseite: Es spielen sich ebenso „genial“ funktionierende Krankheitsverläufe ab, Organismen führen zu einem qualvollen Tod. Das Wissen um die Zerstörungsmächte ist für viele Biologen eine Anfechtung in Bezug auf den Glauben. Unter den Biologen finden sich laut Referent Scherer am wenigsten überzeugte Christen. Er verwies auf Charles Darwin. Angesichts des Leids in der Welt und in Trauer über den Tod seiner zehn Jahre alten Tochter wandte sich Darwin vom Glauben ab. Es waren nicht naturwissenschaftliche Gründe, sondern massive Glaubenszweifel, die Darwin zu seiner Evolutionstheorie führten.

Der Philosoph und Religionswissenschaftler Harald Seubert unterstrich das natürliche Nebeneinander von Schönheit und Grausamkeit. Verstehe man in der Wissenschaft „Natur“ nur noch neutral im Sinn eines „methodischen Atheismus“, nicht aber zweckhaft und von einem Schöpfer her, dann entgehe man zwar der Dimension von Schmerz und Destruktion. Doch man gelange dann „in eine Sinnfreiheit und Kontingenz, der die Dichtung und Lebenserfahrung immer widersprochen hätten.“ Seubert plädierte dafür, das Geheimnis von Natur und Schöpfung anzuerkennen. Gottes Gedanken sind nicht die Gedanken des Menschen.

Benjamin Kilchör, Professor für AT, zeichnete einen gesamtbiblischen Querschnitt, eine Art „theologische Geografie“, die in der Hebräischen Bibel von Westen nach Osten eine immer weitergehende Entfernung von Gottes Glanz und Gegenwart zeigt. Die Weisheitstradition lehre, dass irdische Macht und Pracht nicht zur Weisheit führten; diese sei nur bei Gott selbst zu finden. Deutlich wurde: Diese Welt ist immer eine gefallene. Sie „seufzt“ und harrt aus, bis sie in Christus im neuen Himmel und der neuen Erde (Offb 21–22) ihre neue Gestalt findet.

Sven Grosse, Professor für Historische und Systematische Theologie, erklärte, wie in der neueren evangelischen Theologie – etwa bei Emanuel Hirsch und Paul Tillich – der Bruch zwischen dem Menschen im Schöpfungsplan Gottes und dem gefallenen Menschen auf eine Bewusstseinsstruktur reduziert wird. Dem entgegengesetzt komme es darauf an, das Böse in der Natur als Realität der Heilsgeschichte wahrzunehmen. 
sthbasel.ch/theodizee

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