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IDEA-Podium: „Einheit und Kritik müssen möglich sein!“

07.04.2021

Giuseppe Gracia, Daniela Baumann Foto: Collage/IDEA
Giuseppe Gracia, Daniela Baumann Foto: Collage/IDEA

(IDEA) - Die Kommunikationsbeauftragte der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA), Daniela Baumann, und der ehemalige Kommunikationsleiter des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, trafen sich zum IDEA-Podium über die christliche Debattenkultur.

Was halten Sie von der „Arena“ im Schweizer Fernsehen?

Baumann: Ein wichtiges Gefäss, in dem man öffentlich die Klingen kreuzen kann. Das ist wichtig für die Demokratie. Ich verfolge sie aber nur periodisch. Ob die Auswahl der Gesprächspartner immer fair ist, ist eine andere Frage.

Gracia: Ich war ja schon vier Mal in der „Arena“, um mitzustreiten. Ich finde es „cool“, dass es diese Möglichkeit gibt. Ein Problem aber sehe ich, wenn die Runde so zusammengestellt wird, dass konservative Meinungen vorgeführt oder ausgeschlossen werden.

Hört man deshalb in der „Arena“ kaum einmal eine klar christliche Stimme?

Gracia: Vernünftige, glaubenstreue Christen werden kaum eingeladen. Ich habe das schon öffentlich kritisiert. Die Dynamik einer solchen Sendung entwickelt sich zuerst an den Gästen, nicht am Thema selber. Das heisst, die Auswahl der Gäste ist ein entscheidendes strategisches Element für eine Redaktion.

Baumann: Für mich ist das ein Ausdruck unserer Zeit generell. Christen haben in der Gesellschaft keine so selbstverständliche Position mehr wie früher. Sie müssen sich diese neu erkämpfen. Man muss auch bereit sein, um sich zu exponieren. Und dieser Mut fehlt uns manchmal.

Wie oft erleben Sie gute Debatten unter oder mit Christen?

Baumann: Ich erlebe das durchaus und auch als bereichernd. Im geschützten Rahmen eines Hauskreises oder in meinem beruflichen Umfeld bei der SEA ist es natürlich einfacher. Wir gehen schwierigen Fragen nicht aus dem Weg. Wir können es aber stehen lassen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Wenn vertrauensvolle Beziehungen vorhanden sind, fällt es einem auch leichter, sich zu exponieren.

Gracia: Gute, echte Debatten gehen ja immer ein wenig an die Substanz. Doch das erlebe ich heute fast nicht mehr. Tiefere, existenziellere Fragen werden wie ausgeblendet. Jetzt, in Corona-Zeiten, lenkt man sich mit sekundären Themen ab, statt etwa über die Sterblichkeit oder die Grenzen des Machbaren zu reden. Wo noch debattiert wird, stelle ich eine gehässige Stimmung fest. Man spielt mehr auf die Person, statt sich mit dem Argument auseinanderzusetzen. Man wird abgestempelt als reaktionär, als dubioser, fanatischer Mensch. Die Entwicklung ist bedenklich.

Haben sich die Auseinandersetzungen in den letzten Jahren so stark geändert?

Gracia: Talk-Shows in den 80er-Jahren waren ruhiger und sachlicher. Heute sind sie oft hysterisch, moralisierend und verletzend. Oft dominiert ein einfaches Muster: Es gibt die guten Menschen, die Linken und die Grünen. Und es gibt die andern, die Bösen.

Baumann: Die Vermischung zwischen Sach- und Beziehungsebene fällt mir auch auf. Es wird mehr auf den Mann und die Frau gespielt.

Gracia: Für mich ist es eine politische Strategie. Man will die Person mit unbequemen Ansichten unmöglich machen, damit niemand auf sie hört. In der Abtreibungsfrage bin ich sofort ein Frauenhasser und ein Antifeminist, wenn ich darauf hinweise, dass eine Frau, die abtreibt, nicht über sich selbst bestimmt, sondern über das Leben eines anderen Menschen. (Interview: Andrea Vonlanthen)

Lesen Sie das ausführliche Gespräch im Wochenmagazin IDEA 14-2021. Weitere diskutierte Fragen sind: Welche Themen sorgen unter Christen für verkrampfte Debatten? Wann sollen Kirchen reden, wann schweigen? Sollten sich Christen viel mehr in die öffentliche Diskussion einmischen? Sollten kirchliche Stimmen zur Corona-Impfung reden oder schweigen? Soll der Genderismus ein kirchliches Thema sein? Warum kommt das Thema der Mission in der öffentlichen Debatte kaum vor? Wie verlieren wir die Angst vor der öffentlichen Debatte? Wie viel Provokation verträgt es?

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