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Interview

Glauben auch im Stadtpräsidium

27.04.2021

Maria Pappa, die neue Stadtpräsidentin von St.Gallen. Bild: Andrea Vonlanthen
Maria Pappa, die neue Stadtpräsidentin von St.Gallen. Bild: Andrea Vonlanthen

Die 50-jährige Sozialdemokratin Maria Pappa präsidiert die Nordostschweizer Metropole St. Gallen und ist als Lektorin in der Kathedrale tätig. Andrea Vonlanthen sprach mit ihr über das Fundament der Stadt und ihres Glaubens.

IDEA: Möchten Sie nochmals 17 Jahre alt sein?
Maria Pappa: Nein, nicht unbedingt. Es war eine schwierige, unruhige Zeit, weil gerade meine Schwester krank wurde und gestorben ist und weil ich auch nicht recht wusste, was ich wollte.

Was war Ihnen wichtig mit 17?
Ich hatte das Gefühl, ich müsse leben, ich brauche Abwechslung. Ich war sehr engagiert auf verschiedensten Ebenen.

Sie haben sich jüngst bei den Krawallen in St.Gallen mitten unter das junge Volk gemischt. Wie war Ihnen zumute?
Was ich gesehen habe, hat mich nachdenklich gemacht. Es waren wenige, die gewalttätig waren. Doch diese Gewalttätigen waren für mich nur die Spitze eines Eisbergs. Offensichtlich herrscht unter vielen Jugendlichen eine gewisse Unzufriedenheit und ein grosser Frust. Von Kolleginnen, die im Sozialen tätig sind, weiss ich, dass heute viel mehr Jugendliche psychisch krank sind. Es geht vielen Jugendlichen nicht gut.

Wo sollten wir ansetzen, um dieser unglücklichen Jugend zu helfen?
Das Wichtigste sind Vorbilder und der Dialog. Wir sollten herausspüren, was den Jungen fehlt und was sie zu einem sinnvollen Leben brauchen. Die Familie, die Schule, die Lehrbetriebe, die Politik – alle sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und versuchen, Perspektiven zu vermitteln. Unsere Gesellschaft ist sehr stark auf den Konsum ausgerichtet. Die Erwachsenen leben das vor. Wir müssen uns fragen, wie wir es schaffen, den Jugendlichen einen anderen Lebenssinn zu vermitteln.

Sie waren mit 17 Jahren Gruppenleiterin im Blauring. Was haben Sie profitiert von dieser Aufgabe?
Sehr viel! In dieser Gemeinschaft konnten wir Mitbestimmung üben, Kreativität ausleben und die Natur respektvoll erfahren. In einem kleinen Team haben wir Verantwortung getragen, Konflikte angesprochen, Neues entwickelt. Ich wurde nachher auch Regionalleiterin und habe junge Menschen zu Leitern und Leiterinnen ausgebildet. Einer der Grundsätze war „Glaube leben“. Wir wollten dies den Kindern spannend vermitteln, wobei wir wussten, dass nur schon das konstruktive Zusammensein „Glaube leben“ bedeutete.

Könnte der Glaube auch einer orientierungslosen Jugend von heute eine Hilfe sein?
Ja bestimmt, wenn er nicht missionarisch und dogmatisch, sondern im Dialog vermittelt wird. In der Handelsmittelschule waren wir im Religionsunterricht nur zu fünft, es war ein Freifach. Da haben wir intensiv über Alltagsthemen und Sinnfragen diskutiert. Der Glaube kann Halt bieten und Kraft schenken. Er beantwortet zentrale Fragen: Was ist mir wichtig? Was gibt meinem Leben Sinn? Ich kenne aber auch Menschen, die einen aufgezwungenen Glauben erlebt haben und sich später von jeglicher Religion abgewendet haben. Zum Glück bin ich anders aufgewachsen.

Warum haben Sie selber am Glauben festgehalten?
Ich habe mich lange nicht als „gläubig“ definiert. Die christliche Prägung gehörte zwar in unserer Familie dazu. Mit Taufe, Kommunion und Firmung erhielt ich einen Rahmen für mein Leben. Doch ansonsten war der Glaube kein grosses Thema in der Familie. Ich ging als Kind aber gerne in den Religionsunterricht und fand Jesus als Person und die Bibel sehr spannend. An Ostern schaute ich mir gerne Jesus-Filme an. In den Glauben bin ich langsam hineingewachsen. Mit dem Blauring war ich indirekt Teil der Kirchengemeinschaft. Mit 23 Jahren wurde ich als Lektorin in der Kathedrale angefragt und Jahre später für eine Mitarbeit im Seelsorgerat. Durch die Auseinandersetzungen wurde ich im Glauben immer mehr gestärkt.

Im vollständigen Interview von Andrea Vonlanthen im Wochenmagazin IDEA 17-2021 erklärt Maria Pappa unter anderem, wo sie Mühe hat mit der Kirche und wie sie zur Politik und zur SP kam.

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